Was ist Grundwassermonitoring und wann ist es bei Altlasten notwendig?

Techniker lässt Wasserprobenahme-Sonde in Edelstahl-Grundwassermessstelle auf kontaminiertem Brachland.

Grundwassermonitoring ist die systematische, wiederkehrende Beprobung und Analyse von Grundwasser an definierten Messstellen, um Schadstoffkonzentrationen im Zeitverlauf zu verfolgen. Bei Altlasten ist es immer dann notwendig, wenn eine Kontamination das Grundwasser erreicht hat oder erreichen könnte und eine Gefährdung für Mensch und Umwelt nicht ausgeschlossen werden kann. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Grundwassermonitoring bei kontaminierten Standorten.

Wann ist Grundwassermonitoring bei Altlasten gesetzlich vorgeschrieben?

Grundwassermonitoring bei Altlasten ist gesetzlich vorgeschrieben, sobald eine Gefährdungsabschätzung ergibt, dass von einem kontaminierten Standort eine Beeinträchtigung des Grundwassers ausgeht oder zu erwarten ist. Die rechtliche Grundlage bildet in Deutschland das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) in Verbindung mit der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV).

Konkret wird ein Monitoring dann behördlich angeordnet oder vereinbart, wenn eine Gefährdungsabschätzung Altlasten zeigt, dass der Wirkungspfad Boden-Grundwasser relevant ist. Das bedeutet: Schadstoffe aus dem Boden oder der ungesättigten Zone können in das Grundwasser eingetragen werden oder haben dies bereits getan. In solchen Fällen verlangen die zuständigen Umweltbehörden der Bundesländer in der Regel den Aufbau eines Grundwassermessstellennetzes und regelmäßige Probenahmen.

Darüber hinaus ist ein begleitendes Monitoring gesetzlich gefordert, wenn eine aktive Grundwassersanierung durchgeführt wird. Es dient dann dazu, den Sanierungserfolg nachzuweisen und die Einhaltung behördlich festgelegter Sanierungsziele zu dokumentieren. Auch nach Abschluss einer Sanierung verlangen Behörden häufig ein sogenanntes Nachsorgemonitoring, um sicherzustellen, dass sich die Schadstoffkonzentrationen dauerhaft unterhalb der relevanten Prüfwerte stabilisieren.

Wie funktioniert Grundwassermonitoring bei einer Altlastenuntersuchung?

Grundwassermonitoring funktioniert durch den Aufbau eines Messstellennetzes aus Grundwassermessstellen, die strategisch rund um und innerhalb des kontaminierten Bereichs platziert werden. In regelmäßigen Abständen werden Wasserproben entnommen, im Labor analysiert und die Ergebnisse mit früheren Messungen verglichen, um Trends zu erkennen.

Planung und Aufbau des Messstellennetzes

Zunächst wird auf Basis der hydrogeologischen Verhältnisse des Standorts festgelegt, wo Messstellen errichtet werden müssen. Dabei sind Grundwasserfließrichtung, Fließgeschwindigkeit und die räumliche Ausdehnung der Schadstofffahne entscheidend. Mindestens eine Messstelle wird in Anströmrichtung als Hintergrundmessstelle platziert, weitere befinden sich innerhalb der Fahne sowie in Abstromrichtung, um die Ausbreitung zu kontrollieren.

Probenahme und Laboranalytik

Die Probenahme erfolgt nach standardisierten Verfahren, um vergleichbare und repräsentative Ergebnisse zu gewährleisten. Vor der eigentlichen Probenahme wird das stehende Wasser aus der Messstelle abgepumpt, bis sich stabile Feldparameter wie pH-Wert, Temperatur, Leitfähigkeit und Sauerstoffgehalt einstellen. Die entnommenen Proben werden anschließend an akkreditierte Labore übergeben, die die relevanten Schadstoffe nach normierten Methoden analysieren. Die Ergebnisse werden in Berichten dokumentiert und den Behörden vorgelegt.

Welche Schadstoffe werden beim Grundwassermonitoring untersucht?

Beim Grundwassermonitoring an Altlasten werden gezielt diejenigen Schadstoffe untersucht, die am jeweiligen Standort als Verursacher der Kontamination bekannt oder zu erwarten sind. Die Auswahl richtet sich nach der Nutzungsgeschichte des Geländes und den Ergebnissen der vorausgegangenen Altlastenuntersuchung.

Zu den häufigsten untersuchten Stoffgruppen gehören:

  • Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW/LCKW): Typisch für ehemalige chemische Reinigungen, Metallverarbeitungsbetriebe und Druckereien. Diese leichtflüchtigen Verbindungen sind besonders mobil im Grundwasser und können sich über große Entfernungen ausbreiten.
  • Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW): Häufig an ehemaligen Tankstellen, Heizkraftwerken oder Lagerflächen für Kraftstoffe und Öle.
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): Entstehen bei unvollständiger Verbrennung und finden sich oft auf Industriebrachen, Gaswerksgeländen oder Flächen mit Teerölkontamination.
  • Schwermetalle: Blei, Cadmium, Arsen, Chrom und andere Metalle aus metallverarbeitenden Betrieben oder Deponien können ins Grundwasser eingetragen werden.
  • PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen): Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien sind extrem persistent und werden zunehmend an Standorten mit Löschmitteleinsatz, in der Galvanik oder in der Lebensmittelverarbeitung nachgewiesen. Angesichts verschärfter PFAS-Grenzwerte ist ihre Untersuchung heute bei vielen Altlastenuntersuchungen obligatorisch.

Neben diesen Hauptgruppen können je nach Standort weitere Parameter wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole (BTEX) oder anorganische Verbindungen relevant sein. Die genaue Parameterauswahl wird in Abstimmung mit der zuständigen Behörde festgelegt und orientiert sich an den Prüfwerten der BBodSchV sowie weiteren einschlägigen Regelwerken.

Was ist der Unterschied zwischen Grundwassermonitoring und Grundwassersanierung?

Grundwassermonitoring beobachtet und dokumentiert den Zustand des Grundwassers über die Zeit, greift aber nicht aktiv in die Schadstoffverteilung ein. Grundwassersanierung hingegen zielt darauf ab, Schadstoffe aktiv aus dem Grundwasser zu entfernen oder zu zerstören. Beide Maßnahmen ergänzen sich, erfüllen aber grundlegend unterschiedliche Funktionen.

Beim Monitoring werden Messstellen beprobt und Laborwerte ausgewertet, um zu verstehen, wie sich eine Schadstofffahne entwickelt. Es ist ein diagnostisches Instrument. Die Grundwassersanierung dagegen ist eine aktive Intervention: Sie kann durch Pump-and-Treat-Verfahren, biologische In-situ-Sanierung, chemische Oxidation oder andere Technologien erfolgen, die Schadstoffe abbauen oder aus dem Aquifer entfernen.

In der Praxis begleitet das Monitoring jede Sanierungsmaßnahme: Es zeigt, ob die gewählte Sanierungsmethode wirksam ist, und liefert die Daten, auf deren Basis Sanierungsziele als erreicht erklärt werden können. Nach Abschluss einer Sanierung bleibt das Monitoring als Nachsorgewerkzeug bestehen, um einen Rückgang der Schadstoffkonzentrationen zu belegen und Rückfälle frühzeitig zu erkennen.

Wie lange muss Grundwassermonitoring bei Altlasten durchgeführt werden?

Die Dauer des Grundwassermonitorings bei Altlasten ist nicht pauschal festgelegt, sondern hängt vom Einzelfall ab. In der Regel erstreckt es sich über mehrere Jahre bis Jahrzehnte, je nachdem, wie persistent die Schadstoffe sind, wie schnell das Grundwasser fließt und ob eine aktive Sanierung stattfindet oder nicht.

Während einer aktiven Sanierung wird das Monitoring so lange fortgesetzt, bis die vereinbarten Sanierungsziele erreicht sind. Das Nachsorgemonitoring nach einer abgeschlossenen Sanierung dauert üblicherweise mindestens drei bis fünf Jahre, oft aber deutlich länger. Bei natürlichen Abbauprozessen ohne aktive Sanierung, dem sogenannten Monitored Natural Attenuation (MNA), kann das Monitoring Jahrzehnte umfassen, weil der natürliche Schadstoffabbau langsam verläuft.

Die zuständige Behörde legt die Mindestdauer und die Probenahmefrequenz in der Regel im Rahmen des Sanierungsplans oder einer behördlichen Anordnung fest. Typische Probenahmeintervalle liegen bei halbjährlichen oder jährlichen Kampagnen, können aber in der Anfangsphase auch quartalsweise sein, wenn die Datenlage noch dünn ist.

Wer ist für die Durchführung des Grundwassermonitorings verantwortlich?

Die Verantwortung für die Durchführung des Grundwassermonitorings liegt beim Sanierungspflichtigen, also in der Regel beim Eigentümer des kontaminierten Grundstücks oder dem Verursacher der Kontamination. Dies ergibt sich aus den Pflichten des BBodSchG, das Grundstückseigentümer und Verursacher zur Gefahrenabwehr verpflichtet.

In der Praxis beauftragt der Sanierungspflichtige ein fachkundiges Umweltberatungsunternehmen mit der Planung, Durchführung und Auswertung des Monitorings. Dieses Unternehmen koordiniert die Probenahmen, beauftragt akkreditierte Labore und erstellt die Berichte für die Behörde. Die Behörde ihrerseits überwacht die ordnungsgemäße Durchführung und kann bei Mängeln eingreifen.

Bei Grundstückstransaktionen ist es wichtig zu wissen, dass Monitoringpflichten auf neue Eigentümer übergehen können. Wer ein Grundstück mit bekannter Altlast kauft, übernimmt unter Umständen auch die laufenden Verpflichtungen. Eine sorgfältige Altlasten Due Diligence vor dem Kauf ist daher unerlässlich, um das Ausmaß bestehender Pflichten zu kennen.

Wie wir Sie beim Grundwassermonitoring unterstützen

Bei RiskCom begleiten wir Grundwassermonitoring-Projekte von der ersten Planung bis zur behördlichen Abnahme. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Altlastenuntersuchung und Umweltsanierung kennen wir die rechtlichen Anforderungen und die praktischen Herausforderungen auf kontaminierten Standorten genau.

Unsere Leistungen im Bereich Grundwassermonitoring umfassen:

  • Planung des Messstellennetzes auf Basis hydrogeologischer Analysen und der spezifischen Schadstoffsituation
  • Probenahme und Koordination der Laboranalytik nach anerkannten Normen und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden
  • Auswertung und Trendanalyse der Monitoringdaten, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Handlungsbedarf zu identifizieren
  • Erstellung behördenkonformer Berichte einschließlich Sanierungserfolgsnachweise und Nachsorgedokumentation
  • Integration in umfassende Sanierungskonzepte, wenn neben dem Monitoring auch eine aktive Grundwassersanierung erforderlich ist
  • Beratung bei Grundstückstransaktionen, damit Sie laufende Monitoringpflichten vor dem Kauf vollständig einschätzen können

Sie stehen vor einem kontaminierten Standort und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Sprechen Sie uns an und wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein maßgeschneidertes Monitoring- und Sanierungskonzept.

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