Was ist ein Pump-Test und wozu dient er bei der Sanierungsuntersuchung?

Hydrogeologe lässt Messpumpe in Grundwasser-Messbrunnen, Bodenproben und Feldausrüstung auf grüner Wiese bei Sonnenschein.

Ein Pump-Test ist ein hydrogeologisches Feldverfahren, bei dem gezielt Grundwasser aus einem Brunnen gepumpt wird, um die Durchlässigkeit und das Speichervermögen des Untergrunds zu bestimmen. Er liefert die Kenndaten, die für eine fundierte Altlastenuntersuchung und eine wirtschaftlich tragfähige Bodensanierung unverzichtbar sind. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Durchführung, Auswertung und den Einsatz des Pump-Tests.

Wie funktioniert ein Pump-Test technisch?

Bei einem Pump-Test wird über einen definierten Zeitraum eine konstante Wassermenge aus einem Förderbrunnen gepumpt, während in umliegenden Beobachtungsbrunnen der Grundwasserspiegel kontinuierlich gemessen wird. Die Absenkung des Wasserspiegels in Abhängigkeit von Zeit und Entfernung erlaubt Rückschlüsse auf die hydraulischen Eigenschaften des Grundwasserleiters.

Technisch gliedert sich ein Pump-Test in drei Phasen: Zunächst wird der natürliche Ruhewasserspiegel über mehrere Stunden oder Tage dokumentiert, um eine verlässliche Ausgangslinie zu erhalten. In der eigentlichen Pumpphase wird eine konstante Förderrate aufrechterhalten, die je nach Durchlässigkeit des Aquifers von wenigen Litern bis zu mehreren Kubikmetern pro Stunde reichen kann. Nach dem Abschalten der Pumpe folgt die Wiederanstiegsphase, in der der Wasserstand wieder auf sein natürliches Niveau zurückkehrt. Diese Erholungskurve ist häufig genauso aussagekräftig wie die Absenkungskurve selbst.

Für die Datenerfassung werden heute überwiegend elektronische Drucksonden eingesetzt, die den Wasserstand in kurzen Intervallen automatisch aufzeichnen. Die Förderrate wird mit einem geeichten Durchflussmesser überwacht. Je nach Fragestellung und Aquifermächtigkeit dauert ein Pump-Test wenige Stunden bis mehrere Tage.

Welche hydrogeologischen Parameter liefert ein Pump-Test?

Ein Pump-Test liefert primär den Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert), den Transmissivitätswert sowie den Speicherkoeffizienten des Grundwasserleiters. Diese drei Parameter beschreiben, wie schnell Wasser durch den Untergrund fließt, wie viel Wasser ein Aquifer abgeben kann und wie er auf Druckveränderungen reagiert.

Der kf-Wert ist für die Planung von Sanierungsmaßnahmen besonders relevant, weil er direkt bestimmt, wie effizient Schadstoffe durch Grundwasserentnahme oder In-situ-Verfahren erfasst werden können. Ein hoher kf-Wert bedeutet schnellen Wasserfluss und gute Erreichbarkeit der Schadstoffe, aber auch ein höheres Ausbreitungsrisiko.

Die Transmissivität ergibt sich aus dem Produkt von kf-Wert und Aquifermächtigkeit und gibt an, wie viel Wasser insgesamt durch einen vertikalen Schnitt des Grundwasserleiters fließt. Der Speicherkoeffizient schließlich beschreibt, wie viel Wasser ein Aquifer bei einer bestimmten Druckänderung freisetzt oder aufnimmt. Für gespannte Aquifere ist dieser Wert deutlich kleiner als für ungespannte, was erhebliche Auswirkungen auf die Reichweite eines Sanierungsbrunnens hat.

Wann ist ein Pump-Test im Rahmen einer Altlastenuntersuchung notwendig?

Ein Pump-Test ist im Rahmen einer Altlastenuntersuchung dann notwendig, wenn die hydraulischen Eigenschaften des Untergrunds nicht ausreichend bekannt sind und eine grundwasserbezogene Sanierungsmaßnahme geplant wird. Er ist besonders dann unverzichtbar, wenn Pump-and-Treat-Systeme, reaktive Barrieren oder andere aktive Grundwassersanierungen dimensioniert werden sollen.

In der Praxis wird ein Pump-Test in folgenden Situationen angeordnet:

  • Wenn Schadstoffe im Grundwasser nachgewiesen wurden und der Abstrom quantifiziert werden muss
  • Wenn die Reichweite eines geplanten Sanierungsbrunnens berechnet werden soll
  • Wenn bestehende Brunnen auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft werden sollen
  • Wenn geologische Schichtgrenzen oder Grundwasserstauer lokalisiert werden sollen
  • Wenn eine Risikobewertung belastbare Grundwasserfließparameter erfordert

Bei einfachen Schadensfällen mit geringer Schadstoffkonzentration und bekanntem Untergrund kann auf einen vollständigen Pump-Test verzichtet werden. In diesen Fällen reicht häufig ein Slug-Test aus, der schneller und kostengünstiger durchzuführen ist.

Was ist der Unterschied zwischen einem Pump-Test und einem Slug-Test?

Der wesentliche Unterschied liegt im Maßstab und in der Aussagekraft: Ein Pump-Test erfasst einen großen Bereich des Aquifers und liefert repräsentative Durchschnittswerte für Transmissivität und Speicherkoeffizient, während ein Slug-Test nur die unmittelbare Brunnenumgebung charakterisiert und lediglich den lokalen kf-Wert bestimmt.

Beim Slug-Test wird entweder ein definiertes Wasservolumen schlagartig in den Brunnen eingebracht oder entnommen, und der anschließende Wasserstandsausgleich wird gemessen. Der gesamte Versuch dauert meist nur Minuten bis Stunden und erfordert keine Pumpe. Er ist damit deutlich kostengünstiger, liefert aber nur punktuelle Informationen.

Der Pump-Test hingegen integriert die hydraulischen Eigenschaften über einen größeren Aquiferbereich, weil das abgesenkte Druckfeld bis zu den Beobachtungsbrunnen reicht. Das macht ihn zur verlässlicheren Grundlage für die Dimensionierung von Sanierungssystemen. Als Faustregel gilt: Für orientierende Erkundungen und kleinräumige Fragestellungen genügt oft ein Slug-Test; für die Sanierungsplanung und Behördennachweise ist der Pump-Test die fachlich anerkannte Methode.

Wie werden Pump-Test-Ergebnisse in ein Sanierungskonzept integriert?

Pump-Test-Ergebnisse fließen direkt in die hydraulische Modellierung ein, mit der Lage, Anzahl und Förderrate von Sanierungsbrunnen optimiert werden. Die ermittelten Parameter bilden die Eingangsdaten für numerische Grundwasserströmungsmodelle, die den Sanierungserfolg prognostizieren und Betriebskosten kalkulierbar machen.

Konkret werden die Ergebnisse in folgenden Schritten verarbeitet:

  1. Auswertung der Absenkungskurven nach anerkannten Analyseverfahren wie Theis oder Cooper-Jacob, um Transmissivität und Speicherkoeffizient zu berechnen
  2. Kalibrierung des Strömungsmodells mit den gemessenen Werten, um realistische Fließgeschwindigkeiten und Grundwassergradienten abzubilden
  3. Dimensionierung der Sanierungsbrunnen hinsichtlich Tiefe, Filterausbau und Förderrate auf Basis der hydraulischen Kennwerte
  4. Prognose der Sanierungsdauer durch Kopplung des Strömungsmodells mit Stofftransportberechnungen
  5. Behördliche Dokumentation, da Genehmigungsbehörden belastbare Feldmessdaten als Nachweis für die Machbarkeit des Sanierungskonzepts fordern

Gut ausgewertete Pump-Test-Daten reduzieren die Unsicherheit im Sanierungsprozess erheblich und verhindern kostspielige Fehlplanungen. Sie sind damit nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern auch ein wirtschaftliches Argument für eine zielgerichtete Bodensanierung.

Wie RiskCom bei Pump-Tests und Sanierungsuntersuchungen unterstützt

Wir bei RiskCom begleiten Pump-Tests und die darauf aufbauende Sanierungsplanung von der ersten Konzeption bis zur behördlichen Genehmigung. Unsere Leistungen umfassen:

  • Planung und Durchführung von Pump-Tests und Slug-Tests nach anerkannten hydrogeologischen Standards
  • Fachgerechte Auswertung der Absenkungskurven und Ableitung belastbarer hydraulischer Parameter
  • Numerische Grundwassermodellierung zur Dimensionierung und Optimierung von Sanierungssystemen
  • Entwicklung wirtschaftlicher Sanierungskonzepte, die passive, aktive und In-situ-Verfahren vergleichen und das geeignetste Verfahren empfehlen
  • Behördenabstimmung und Dokumentation aller Feldversuche und Ergebnisse in prüffähiger Form
  • Internationale Projekterfahrung in unterschiedlichsten geologischen und regulatorischen Umgebungen

Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Altlastensanierung und dem Einsatz unserer eigenentwickelten Risikoanalysesoftware RIMPro© verwandeln wir komplexe Untergrundverhältnisse in sicher kalkulierbare Sanierungsprojekte. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung bei der Planung eines Pump-Tests oder der Entwicklung eines Sanierungskonzepts benötigen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage über unser Team.