Eine PFAS-Sanierung sollte eingeleitet werden, sobald Messwerte im Boden oder Grundwasser die geltenden Prüf- und Maßnahmenwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung überschreiten oder ein konkreter Ausbreitungspfad zu Schutzgütern wie Trinkwasser, Nahrungspflanzen oder Oberflächengewässern erkennbar ist. Der Handlungsbedarf hängt dabei nicht allein von der Konzentration ab, sondern auch von der Mobilität der Stoffe, der Nähe zu sensiblen Nutzungen und den rechtlichen Verpflichtungen des Grundstückseigentümers. Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Kriterien, die bei der Entscheidung über eine PFAS-Sanierung eine Rolle spielen.
Ab welchen PFAS-Konzentrationen besteht Handlungsbedarf?
Handlungsbedarf bei einer PFAS-Kontamination besteht, wenn Messwerte die in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) festgelegten Prüfwerte überschreiten oder wenn Grundwasserwerte die Trinkwassergrenzwerte der EU-Trinkwasserrichtlinie von 0,1 µg/L für Einzel-PFAS beziehungsweise 0,5 µg/L für die Summe aller PFAS übertreffen. Schon unterhalb dieser Schwellen kann eine orientierende Untersuchung sinnvoll sein.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) gelten als besonders persistent: Sie bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab und reichern sich in Organismen an. Deshalb liegen die regulatorischen Grenzwerte für PFAS deutlich niedriger als bei vielen anderen Schadstoffen. Für das Grundwasser gilt seit der Überarbeitung der EU-Trinkwasserrichtlinie ein Summengrenzwert, der in Deutschland über die nationale Trinkwasserverordnung umgesetzt wird. Für Böden orientieren sich Behörden derzeit an Empfehlungen des Umweltbundesamtes und an länderspezifischen Erlassen, da einheitliche bundesweite Bodenwerte für PFAS noch im Aufbau sind.
Entscheidend ist nicht nur der absolute Messwert, sondern auch die betroffene Nutzung: Auf einem Kinderspielplatz oder einem Grundstück mit Gemüseanbau gelten niedrigere Eingriffsschwellen als auf einer versiegelten Gewerbefläche. Wer Messwerte im Bereich der Orientierungswerte feststellt, sollte eine detaillierte Gefährdungsabschätzung durchführen lassen, bevor konkrete Sanierungsmaßnahmen geplant werden.
Welche PFAS-Quellen machen eine Sanierung besonders dringend?
Eine PFAS-Sanierung ist besonders dringend, wenn eine aktive Schadstoffquelle weiterhin Einträge in Boden und Grundwasser verursacht. Typische Hochrisikoquellen sind Löschmittelübungsplätze mit AFFF-Einsatz, Industriestandorte der Fluorchemie, Deponien mit PFAS-haltigem Sickerwasser sowie landwirtschaftliche Flächen, die mit PFAS-belastetem Klärschlamm gedüngt wurden.
Je aktiver und konzentrierter die Quelle, desto schneller breitet sich die Kontaminationsfahne aus. Bei Löschmittelübungsplätzen wurden in der Vergangenheit besonders hohe PFAS-Konzentrationen im Boden und im Grundwasser gemessen, weil fluorhaltige Schäume über Jahre oder Jahrzehnte eingesetzt wurden. Ähnliches gilt für Produktionsstandorte, an denen PFAS direkt verarbeitet wurden.
Eine weitere Dringlichkeitsstufe ergibt sich aus der Nähe zur Trinkwassergewinnung. Liegt ein kontaminierter Standort im Einzugsgebiet eines Wasserwerks oder in der Nähe von Privatbrunnen, besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, unabhängig davon, ob die Messwerte bereits Grenzwerte überschreiten. In solchen Situationen können Behörden auch vorsorglich Nutzungseinschränkungen anordnen.
Woran erkennt man, ob eine PFAS-Kontamination sich ausbreitet?
Eine PFAS-Kontamination breitet sich aus, wenn Messwerte in abstromigen Grundwassermessstellen über die Zeit ansteigen, wenn die Schadstofffahne in Richtung Vorfluter oder Trinkwasserentnahmestellen wandert oder wenn neu beprobte Standortbereiche erhöhte PFAS-Gehalte zeigen, die bei früheren Untersuchungen noch nicht nachweisbar waren.
PFAS sind im Grundwasser besonders mobil, weil viele Verbindungen eine hohe Wasserlöslichkeit aufweisen und kaum an Bodenpartikel adsorbieren. Kurzkettige PFAS wie PFBS oder PFHxS wandern schneller als langkettige Verbindungen wie PFOS oder PFOA. Ein gut konzipiertes Grundwassermonitoring mit regelmäßiger Beprobung mehrerer Messstellen entlang des Grundwasserstroms ist daher das wichtigste Instrument zur Ausbreitungserkennung.
Hinweise auf eine aktive Ausbreitung liefern auch hydrologische Veränderungen: Hochwasserereignisse, Grundwasserabsenkungen durch Baumaßnahmen oder veränderte Fließrichtungen können schlafende Kontaminationen reaktivieren. Wer einen Standort mit bekannter PFAS-Belastung betreibt oder erworben hat, sollte das Monitoring regelmäßig auswerten und bei Trendanstiegen unmittelbar eine erweiterte Risikobewertung veranlassen.
Welche rechtlichen Pflichten löst eine PFAS-Verunreinigung aus?
Eine PFAS-Verunreinigung löst nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) Pflichten zur Gefahrenabwehr aus, sobald der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast besteht. Verantwortlich sind der Verursacher, der Grundstückseigentümer und der Inhaber der tatsächlichen Gewalt über das Grundstück, jeweils als Zustandsstörer oder Verhaltensstörer.
Konkret bedeutet das: Wer eine PFAS-Kontamination kennt oder kennen muss, ist verpflichtet, die zuständige Behörde zu informieren, eine orientierende Untersuchung durchzuführen und gegebenenfalls Sofortmaßnahmen zu ergreifen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Schutzgüter besteht. Die Behörde kann dann förmliche Anordnungen zur Detailuntersuchung, Sanierungsuntersuchung oder Sanierungsdurchführung erlassen.
Darüber hinaus greifen bei PFAS-Kontaminationen häufig wasserrechtliche Vorschriften, insbesondere wenn das Grundwasser als Schutzgut betroffen ist. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist jede Gewässerverunreinigung unabhängig von Grenzwerten unzulässig. Wer Grundstücke mit PFAS-Belastung kauft, verkauft oder verpachtet, muss außerdem mit zivilrechtlichen Haftungsansprüchen rechnen, wenn die Kontamination nicht offengelegt wurde.
Welche Sanierungsverfahren eignen sich für PFAS-Kontaminationen?
Für PFAS-Kontaminationen eignen sich je nach Standortsituation verschiedene Verfahren: Für den Boden kommen thermische Behandlung, Bodenaustausch und Stabilisierung in Frage; für das Grundwasser sind Pump-and-Treat-Systeme mit Aktivkohlefiltrierung oder Nanofiltration etabliert. Biologische In-situ-Verfahren, wie sie bei chlorierten Kohlenwasserstoffen eingesetzt werden, funktionieren bei PFAS aufgrund ihrer chemischen Stabilität nur eingeschränkt.
Sanierungsverfahren für PFAS im Boden
Im Boden ist der Aushub und die thermische Behandlung der kontaminierten Erde das direkteste Verfahren, allerdings auch das kostenintensivste. Bei großflächigen Kontaminationen ist ein vollständiger Bodenaustausch oft wirtschaftlich nicht vertretbar. Stabilisierungsverfahren, bei denen PFAS durch Zugabe von Aktivkohle oder anderen Sorbentien im Boden immobilisiert werden, können als Zwischenlösung dienen, lösen das Problem aber nicht dauerhaft.
Sanierungsverfahren für PFAS im Grundwasser
Im Grundwasser ist Pump-and-Treat mit nachgeschalteter Aktivkohle oder Membranfiltration derzeit das am häufigsten eingesetzte Verfahren. Das geförderte Wasser wird gereinigt und entweder eingeleitet oder wieder infiltriert. Neuere Ansätze wie elektrochemische Oxidation oder Sonochemie befinden sich noch in der Entwicklungs- und Erprobungsphase, zeigen aber vielversprechende Ergebnisse für die Behandlung hochkonzentrierter PFAS-Wässer.
Die Auswahl des richtigen Verfahrens hängt stark von der Schadstoffzusammensetzung, der Geologie und den Sanierungszielen ab. Im Gegensatz zur In-situ-Sanierung bei chlorierten Kohlenwasserstoffen, wo biologische und chemische Verfahren weit entwickelt sind, steckt die In-situ-Behandlung von PFAS noch in den Kinderschuhen. Umso wichtiger ist eine fundierte Sanierungsuntersuchung, bevor eine Methode festgelegt wird.
Wann lohnt sich eine Umwelt-Due-Diligence vor der Sanierung?
Eine Umwelt-Due-Diligence lohnt sich vor einer PFAS-Sanierung immer dann, wenn ein Grundstückskauf, eine Projektentwicklung oder eine Unternehmenstransaktion geplant ist, bei der PFAS-Risiken die Bewertung, Finanzierung oder Haftungsverteilung beeinflussen können. Sie schützt Käufer vor unbekannten Altlasten und gibt Verkäufern Planungssicherheit.
Im Kontext von PFAS ist die Due-Diligence besonders relevant, weil viele Standorte noch gar nicht auf diese Stoffe untersucht wurden. Branchen wie Feuerwehr, Luftfahrt, Galvanik, Textilveredelung und Papierherstellung gelten als typische PFAS-Nutzer der Vergangenheit. Wer ein Grundstück mit solcher Nutzungshistorie erwirbt, ohne eine Voruntersuchung durchzuführen, riskiert, für Sanierungskosten in Millionenhöhe haftbar gemacht zu werden.
Eine gute Umwelt-Due-Diligence umfasst die Auswertung von Nutzungshistorien, Luftbildern und Altakten, eine Geländebegehung sowie gezielte Probenahmen bei Verdachtsflächen. Das Ergebnis ist eine belastbare Einschätzung des Sanierungsbedarfs und der damit verbundenen Kosten, die direkt in die Kaufpreisverhandlung oder die Risikoverteilung im Kaufvertrag einfließen kann.
Wie RiskCom bei der PFAS-Sanierung unterstützt
Wir bei RiskCom begleiten Sie von der ersten Verdachtsmomentabklärung bis zur abgeschlossenen Sanierung. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Umweltsanierung kennen wir die technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die PFAS-Kontaminationen mit sich bringen. Unser Leistungsangebot für PFAS-Standorte umfasst:
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