Die häufigsten PFAS-Quellen auf Industriegeländen sind Feuerlöschmittel auf AFFF-Basis, galvanische Betriebe, Oberflächenbeschichtungsanlagen, Textil- und Lederverarbeitungsbetriebe sowie Chemieanlagen, die fluorierte Verbindungen einsetzen oder produzieren. Diese Quellen haben über Jahrzehnte dazu beigetragen, dass PFAS in Böden und Grundwasser gelangen, oft ohne dass die Betreiber davon wussten. Der folgende Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen rund um PFAS-Kontaminationen auf Industriegeländen.
Wie gelangen PFAS auf Industriegelände?
PFAS gelangen auf Industriegelände vor allem durch den direkten Einsatz PFAS-haltiger Produkte, durch Leckagen, Brände und unsachgemäße Entsorgung. Besonders verbreitet ist die Kontamination durch Löschschäume des Typs AFFF (Aqueous Film Forming Foam), die bei Brandschutzübungen oder realen Feuerwehreinsätzen auf dem Gelände verwendet wurden und deren fluorierte Wirkstoffe tief in den Boden eindringen.
Weitere typische Eintragsquellen sind undichte Rohrleitungen und Behälter, in denen PFAS-haltige Prozesschemikalien gelagert wurden, sowie Abwässer aus Produktionsprozessen, die nicht vollständig gereinigt wurden. Auch Deponien, auf denen PFAS-haltige Abfälle gelagert wurden, können als sekundäre Quelle fungieren, wenn Sickerwässer in den Untergrund gelangen. Da PFAS chemisch äußerst stabil sind und sich kaum abbauen, verbleiben sie einmal im Boden über sehr lange Zeiträume und verteilen sich mit dem Grundwasser weiträumig.
Welche Branchen sind am stärksten von PFAS-Kontaminationen betroffen?
Am stärksten von PFAS-Kontaminationen betroffen sind die Metallverarbeitung und Galvanik, die Textil- und Lederindustrie, Flughäfen und Militärstandorte, die chemische Industrie sowie Papierhersteller, die fluorierte Beschichtungen einsetzen. Diese Branchen haben PFAS entweder als Prozesschemikalie aktiv genutzt oder waren auf Feuerlöschmittel angewiesen, die PFAS enthielten.
Flughäfen und Militärstandorte gelten als besonders kritische Standorte, weil dort über viele Jahre hinweg regelmäßig AFFF-Löschschaum bei Übungen eingesetzt wurde. In der Galvanik werden PFAS als Netzmittel und Benetzungshemmer eingesetzt, um die Oberfläche von Galvanikbädern zu stabilisieren. Die Papier- und Verpackungsindustrie hat fluorierte Verbindungen genutzt, um Produkte wasser- und fettabweisend zu machen. Hinzu kommen Betriebe, die Halbleiter oder Elektronikkomponenten herstellen, da dort fluorierte Chemikalien in Ätz- und Reinigungsprozessen eine zentrale Rolle spielen.
Was sind die häufigsten PFAS-Verbindungen auf Industriegeländen?
Die häufigsten PFAS-Verbindungen auf Industriegeländen sind PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroctansäure), gefolgt von kurzkettigen Alternativen wie PFBS, PFHxS sowie einer wachsenden Zahl von Ersatzstoffen, die unter dem Begriff PFAS zusammengefasst werden. PFOS und PFOA waren jahrzehntelang die am weitesten verbreiteten Vertreter dieser Stoffgruppe und sind heute in Europa weitgehend verboten.
Mit dem regulatorischen Druck auf langkettige PFAS sind viele Hersteller auf kurzkettige Verbindungen oder polyfluorierte Alternativen umgestiegen. Diese gelten zwar als weniger bioakkumulierend, sind jedoch ebenfalls persistent und schwer abbaubar. Auf Altstandorten dominieren nach wie vor PFOS und PFOA, während auf neueren Industriestandorten ein breiteres Spektrum an Verbindungen gefunden wird. Für eine fundierte Risikobewertung von Altlasten ist daher eine umfassende Analytik erforderlich, die nicht nur die klassischen Verbindungen, sondern auch neuere PFAS-Varianten erfasst.
Wie erkennt man PFAS-Verdachtsflächen auf Industriegeländen?
PFAS-Verdachtsflächen auf Industriegeländen erkennt man durch eine systematische Auswertung der Nutzungsgeschichte des Standorts, die sogenannte historische Recherche. Standorte mit früherer Galvanik, Löschmitteleinsatz, Textilveredelung oder chemischer Produktion gelten grundsätzlich als verdächtig und sollten untersucht werden.
Konkrete Hinweise auf eine mögliche PFAS-Belastung liefern unter anderem:
- Nachweise über den Einsatz von AFFF-Löschschäumen oder anderen PFAS-haltigen Produkten in Betriebsunterlagen
- Auffällige Schaumbildung in Grundwasserproben oder Oberflächengewässern auf dem Gelände
- Ergebnisse von Voruntersuchungen, die erhöhte Summenparameter für fluororganische Verbindungen zeigen
- Branchenspezifische Nutzungshistorie, die typischerweise mit PFAS-Einsatz verbunden ist
- Nähe zu bekannten PFAS-Kontaminationsherden wie Flughäfen oder Feuerwehrübungsplätzen
Sobald ein Verdacht besteht, ist eine orientierende Beprobung von Boden und Grundwasser der nächste Schritt. Dabei sollten sowohl die Sättigungszone als auch die ungesättigte Bodenzone beprobt werden, da PFAS je nach Verbindung unterschiedliches Verlagerungsverhalten zeigen.
Welche Sanierungsoptionen gibt es bei PFAS-belasteten Böden und Grundwasser?
Bei PFAS-belasteten Böden und Grundwasser stehen verschiedene Sanierungsoptionen zur Verfügung, darunter Pump-and-Treat-Verfahren mit Aktivkohlefilterung, Bodenaustausch, thermische Verfahren sowie neuere In-situ-Ansätze. Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von der Art der PFAS-Verbindungen, der Konzentration, der Tiefe der Kontamination und den hydrogeologischen Bedingungen ab.
Grundwassersanierung bei PFAS
Das am häufigsten eingesetzte Verfahren bei PFAS-belastetem Grundwasser ist das Pump-and-Treat-Verfahren: Das kontaminierte Grundwasser wird abgepumpt und über Aktivkohlefilter oder Ionenaustauscher gereinigt. Diese Methode ist etabliert und regulatorisch akzeptiert, erfordert jedoch oft einen langen Betriebszeitraum, da PFAS aus der Bodenmatrix kontinuierlich nachgeliefert werden können.
Bodensanierung und In-situ-Verfahren
Bei stark belasteten Böden ist der physische Bodenaustausch eine Option, die jedoch mit hohen Kosten und erheblichem logistischem Aufwand verbunden ist. Thermische Verfahren wie die Hochtemperaturverbrennung können PFAS zerstören, sind aber energieintensiv. Neuere In-situ-Sanierungsverfahren zielen darauf ab, PFAS im Boden zu immobilisieren oder zu zerstören, zum Beispiel durch den Einsatz von Sorptionsmitteln oder elektrochemische Prozesse. Diese Technologien befinden sich teilweise noch in der Entwicklung, zeigen aber vielversprechende Ergebnisse.
Welche rechtlichen Anforderungen gelten für PFAS auf Industriegeländen in Deutschland?
In Deutschland unterliegen PFAS-Kontaminationen auf Industriegeländen dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) sowie der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Seit der Novelle der BBodSchV gelten konkrete Prüf- und Maßnahmenwerte für ausgewählte PFAS-Verbindungen, die bei der Beurteilung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen heranzuziehen sind.
Auf europäischer Ebene ist die PFAS-Regulierung in Bewegung: Die EU-Chemikalienverordnung REACH wurde um immer mehr PFAS-Verbindungen erweitert, und eine umfassende Beschränkung für die gesamte Stoffgruppe wurde 2023 von mehreren europäischen Behörden vorgeschlagen. Für Industrieunternehmen bedeutet das konkret:
- Pflicht zur Untersuchung bei Verdacht auf PFAS-Belastung gemäß BBodSchG
- Einhaltung der Prüfwerte der BBodSchV für Boden und Grundwasser
- Informationspflichten gegenüber Behörden bei festgestellten Kontaminationen
- Sanierungspflicht, wenn Maßnahmenwerte überschritten werden
- Berücksichtigung von PFAS-Risiken bei Transaktionen im Rahmen der Umwelt-Due-Diligence
Wer Industriegelände kauft, verkauft oder neu entwickelt, sollte PFAS-Risiken frühzeitig in die Planung einbeziehen, da nachträgliche Sanierungsmaßnahmen erhebliche Kosten verursachen können und Transaktionen belasten.
Wie RiskCom bei PFAS-Kontaminationen auf Industriegeländen hilft
Wir bei RiskCom begleiten Industrieunternehmen, Investoren und Behörden bei allen Phasen des Umgangs mit PFAS-Kontaminationen, von der ersten Verdachtsflächenanalyse bis zur abgeschlossenen Sanierung. Unsere Experten verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Altlastenuntersuchung und Umweltsanierung und kennen die regulatorischen Anforderungen in Deutschland und international.
Konkret unterstützen wir Sie mit folgenden Leistungen:
- Historische Recherche und Erstbewertung zur Identifikation von PFAS-Verdachtsflächen auf Ihrem Gelände
- Boden- und Grundwasseruntersuchungen mit umfassender PFAS-Analytik, die auch neuere Verbindungen erfasst
- Risikobewertung auf Basis anerkannter Methoden und unserer eigenentwickelten Software RIMPro©
- Erstellung von Sanierungskonzepten, die technisch fundiert und wirtschaftlich optimiert sind
- Begleitung der Sanierungsdurchführung, einschließlich Behördenkommunikation und Dokumentation
- Umwelt-Due-Diligence bei Unternehmenstransaktionen mit PFAS-Relevanz
Haben Sie Fragen zu PFAS-Risiken auf Ihrem Industriegelände oder möchten Sie eine erste Einschätzung einholen? Sprechen Sie uns an und wir finden gemeinsam den richtigen Weg.
