Flughäfen und Militärstandorte teilen eine gemeinsame Belastungsgeschichte: Jahrzehntelang wurde dort Feuerlöschschaum eingesetzt, der per- und polyfluorierte Alkylverbindungen enthielt. Diese Stoffe, heute als PFAS bekannt, haben sich tief in Boden und Grundwasser eingegraben und stellen Betreiber, Behörden und Sanierer vor außergewöhnlich komplexe Aufgaben. Wer eine PFAS-Altlastensanierung plant, braucht mehr als technisches Werkzeug. Er braucht ein systematisches Verständnis davon, wie diese Schadstoffe entstehen, wie sie sich verhalten und welche rechtlichen sowie technischen Anforderungen eine Sanierung erfüllen muss.
Dieser Artikel führt Sie schrittweise durch alle relevanten Aspekte der PFAS-Sanierung an Flughäfen und Militärstandorten: von den chemischen Grundlagen über die Ausbreitungsdynamik im Untergrund, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Standortuntersuchung bis hin zu den geeigneten Sanierungsverfahren und der konkreten Sanierungsplanung.

Was sind PFAS und warum sind sie an Flughäfen und Militärstandorten ein Problem?
PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, eine Gruppe von mehr als 10.000 Einzelstoffen, die sich durch eine außergewöhnlich stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung auszeichnen. Diese chemische Stabilität macht sie in der Industrie wertvoll, in der Umwelt jedoch problematisch. Weil sie biologisch kaum abbaubar sind, werden sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet.
An Flughäfen und Militärstandorten liegt die Hauptquelle der PFAS-Belastung in der Vergangenheit: Dort wurden über viele Jahrzehnte sogenannte AFFF-Löschschäume (Aqueous Film Forming Foam) eingesetzt, die große Mengen langkettiger PFAS wie PFOS und PFOA enthielten. Bei Übungen, Unfällen und Brandschutzprüfungen gelangten diese Löschmittel direkt auf den Boden. Flughäfen wie auch Militärbasen verfügen oft über ausgedehnte befestigte Flächen, von denen PFAS-haltiges Wasser in den Untergrund abgeleitet wurde, häufig ohne ausreichende Rückhaltung.
Das Ergebnis sind PFAS-kontaminierte Standorte, die sich durch ihre Größe, die Tiefe der Schadstoffverteilung und die Nähe zu Trinkwassereinzugsgebieten von vielen anderen Altlastenfällen unterscheiden. Eine frühzeitige und gründliche Auseinandersetzung mit dem Schadstoffpotenzial ist daher keine Option, sondern eine Pflicht.
Wie PFAS sich im Untergrund verbreiten und akkumulieren
Um eine PFAS-Sanierung wirksam zu planen, muss man das Ausbreitungsverhalten dieser Schadstoffe im Untergrund verstehen. PFAS verhalten sich anders als klassische Schadstoffe wie Mineralöle oder chlorierte Kohlenwasserstoffe. Ihre Mobilität ist hoch, ihre Sorptionsneigung komplex und ihre Persistenz extrem.
Mobilität und Schadstofffahne
PFAS sind in der Regel gut wasserlöslich und werden daher rasch mit dem Sickerwasser in tiefere Bodenschichten transportiert. Im Grundwasser bilden sie ausgedehnte PFAS-Grundwasserfahnen, die sich weit vom ursprünglichen Eintragsort entfernen können. Besonders kurzkettige PFAS wie PFBA oder PFPeA sind kaum sorbierbar und wandern deshalb schneller und weiter als langkettige Verbindungen.
Sorption und Rückhalt im Boden
Langkettige PFAS wie PFOS und PFOA binden stärker an organische Bodensubstanz und Tonminerale. Das klingt zunächst positiv, hat aber eine Tücke: Diese gebundenen PFAS können über lange Zeiträume langsam wieder freigesetzt werden und so als sekundäre Schadstoffquelle wirken. Ein PFAS-belasteter Boden ist damit nicht nur ein passiver Behälter, sondern ein aktiver Lieferant von Schadstoffen für das Grundwasser.
Für die Sanierungsplanung bedeutet das: Wer nur die Grundwasserfahne behandelt, ohne die Schadstoffquelle im Boden zu berücksichtigen, wird langfristig keinen nachhaltigen Sanierungserfolg erzielen. Quellensanierung und Fahnenbehandlung müssen zusammen gedacht werden.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Grenzwerte für die PFAS-Sanierung
Die rechtlichen Anforderungen an die PFAS-Sanierung in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verschärft und entwickeln sich weiter. Wer einen PFAS-belasteten Standort saniert, muss den aktuellen Rechtsrahmen kennen und einhalten.
Die novellierte Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) enthält seit ihrer Überarbeitung erstmals explizite Prüf- und Maßnahmenwerte für ausgewählte PFAS im Boden und im Grundwasser. Diese PFAS-Prüfwerte gelten als Orientierungsrahmen für die Gefährdungsabschätzung und die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen. Ergänzend dazu gibt es auf Ebene der EU die PFAS-Beschränkungsverordnung, die den Einsatz zahlreicher PFAS-Verbindungen stark einschränkt oder verbietet.
Für das Grundwasser sind die Anforderungen besonders streng. Die Trinkwasserverordnung setzt den Summengrenzwert für 20 relevante PFAS auf 0,10 Mikrogramm pro Liter. Dieser Wert ist auch bei der Sanierungszielfestlegung für PFAS-kontaminiertes Grundwasser maßgeblich, wenn Trinkwassernutzungen betroffen sind. Wer die Risikobewertung eines Standorts durchführt, muss diese Grenzwerte von Beginn an in die Bewertungsmatrix einbeziehen.
Wichtig ist außerdem: PFAS-Grenzwerte unterscheiden sich je nach Verbindungsklasse erheblich. PFOS und PFOA unterliegen strengeren Anforderungen als viele kurzkettige Verbindungen, obwohl letztere mobiler und schwerer zu entfernen sind. Eine pauschale Betrachtung greift hier zu kurz.
Standortuntersuchung und Schadensbewertung systematisch durchführen
Bevor ein Sanierungskonzept entwickelt werden kann, braucht man ein belastbares Bild der Kontaminationssituation. Die PFAS-Untersuchung an Flughäfen und Militärstandorten folgt dabei einem strukturierten Prozess, der von der historischen Recherche bis zur quantitativen Schadensbewertung reicht.
Historische Recherche und Eingrenzung der Verdachtsbereiche
Am Anfang steht die Auswertung verfügbarer Unterlagen: Wo wurden Löschübungen abgehalten? Welche Löschmittel kamen wann zum Einsatz? Wo verlaufen Entwässerungssysteme? Diese Informationen helfen, Verdachtsbereiche einzugrenzen und die Probenahme gezielt zu planen. An großen Standorten kann diese Phase erheblichen Aufwand erfordern, spart aber nachgelagert Kosten.
Probenahme und Analytik
Die PFAS-Probenahme erfordert besondere Sorgfalt, da viele konventionelle Probenahmematerialien selbst PFAS-haltig sein können und so zu Kontaminationen der Probe führen. Für PFAS-Bodenproben und PFAS-Grundwasserproben sind daher spezifische Probenahmeprotokolle einzuhalten. Die anschließende PFAS-Analyse im Labor sollte eine möglichst breite Substanzpalette erfassen, nicht nur die bekannten Leitparameter PFOS und PFOA.
Schadensbewertung und Risikoabschätzung
Auf Basis der Untersuchungsergebnisse wird eine Gefährdungsabschätzung durchgeführt. Dabei werden Ausbreitungspfade, Expositionsszenarien und Schutzgüter bewertet. Das Ergebnis bestimmt, ob und in welchem Umfang Sanierungsbedarf besteht. Ein strukturiertes PFAS-Monitoring über mehrere Messkampagnen hinweg liefert zudem Informationen über die Dynamik der Schadstofffahne und ist Grundlage für die Sanierungszieldefinition.
Welche Sanierungsverfahren für PFAS-Kontaminationen geeignet sind
Die Auswahl des richtigen Sanierungsverfahrens ist eine der anspruchsvollsten Entscheidungen im gesamten Prozess. PFAS lassen sich nicht biologisch abbauen und sind thermisch nur bei sehr hohen Temperaturen zerstörbar. Das schränkt die Verfahrensauswahl ein und erfordert eine sorgfältige Abwägung.
Pump-and-Treat und Trap-and-Treat
Das klassische Pump-and-Treat-Verfahren pumpt kontaminiertes Grundwasser ab und behandelt es oberirdisch, typischerweise über Aktivkohlefilter oder Ionenaustauscher. Aktivkohle adsorbiert langkettige PFAS sehr effektiv, hat aber bei kurzkettigen Verbindungen Schwächen. Ionenaustauscher können hier ergänzend wirken. Dieses Verfahren ist bewährt, aber bei großen Schadstofffahnen langwierig und kostenintensiv.
Eine weiterentwickelte Alternative ist das Trap-and-Treat-Verfahren. Dabei werden PFAS im Untergrund an Sorptionsmaterialien gebunden, ohne das Wasser vollständig abzupumpen. Permeable reaktive Barrieren oder In-situ-Sorptionsbarrieren fangen die PFAS-Schadstofffahne ab und halten die Ausbreitung zurück. Das Trap-and-Treat-Verfahren eignet sich besonders dort, wo eine vollständige Entfernung des Schadstoffs technisch nicht realistisch oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.
Ex-situ-Bodenbehandlung und thermische Verfahren
Bei stark belastetem Boden kann ein Bodenaushub mit anschließender Ex-situ-Behandlung sinnvoll sein. Thermische Verfahren wie die Hochtemperaturverbrennung können PFAS zerstören, sind aber energieintensiv und teuer. Bodenwäsche trennt PFAS-belastetes Feinkorn vom weniger belasteten Grobkorn und reduziert so das zu behandelnde Volumen. Welches Verfahren wirtschaftlich und technisch am besten passt, hängt stark von der Bodenart, der Schadstoffkonzentration und den verfügbaren Behandlungskapazitäten ab.
In-situ-Sanierung
Die In-situ-Sanierung gewinnt bei PFAS-Kontaminationen zunehmend an Bedeutung. Dabei werden Sanierungsmaßnahmen direkt im Untergrund durchgeführt, ohne den Boden auszuheben. In-situ-Sorptionsbarrieren, die Einleitung von Sorptionsmaterialien in den Aquifer oder reaktive Zonen sind Ansätze, die in Pilotprojekten erprobt werden. Der Vorteil liegt in der geringeren Flächenbeeinträchtigung und oft niedrigeren Kosten gegenüber aufwendigen Aushubmaßnahmen.
Einen PFAS-Sanierungsplan für Flughäfen und Militärstandorte aufstellen
Ein belastbarer PFAS-Sanierungsplan integriert alle bisher beschriebenen Elemente: die Kenntnis der Schadstoffeigenschaften, die Ergebnisse der Standortuntersuchung, die rechtlichen Anforderungen und die verfügbaren Sanierungsverfahren. Hinzu kommen standortspezifische Faktoren, die an Flughäfen und Militärstandorten besonders ins Gewicht fallen.
Flughäfen sind in Betrieb, Militärstandorte können aktiv oder in Konversion sein. In beiden Fällen muss der Sanierungsplan den laufenden Betrieb berücksichtigen, Zugangsbeschränkungen einplanen und Schnittstellen mit anderen Nutzern oder Behörden klären. Das erhöht den Koordinationsaufwand erheblich.
Ein strukturierter PFAS-Sanierungsplan enthält mindestens folgende Bausteine:
- Sanierungsziele: Auf Basis der Grenzwerte, der Schutzgüter und der geplanten Folgenutzung werden messbare Zielwerte für Boden und Grundwasser definiert.
- Verfahrensauswahl und Wirtschaftlichkeitsvergleich: Verschiedene Sanierungsoptionen werden technisch und wirtschaftlich bewertet, bevor eine Entscheidung fällt.
- Phasenkonzept: Quellensanierung, Fahnenbehandlung und Langzeitmonitoring werden zeitlich und räumlich aufeinander abgestimmt.
- Monitoring und Erfolgskontrolle: Ein PFAS-Grundwassermonitoring begleitet die Sanierung dauerhaft und liefert die Daten für Anpassungen.
- Behördliche Abstimmung: Behörden werden frühzeitig eingebunden, Genehmigungspfade werden geklärt und Berichtsformate abgestimmt.
- Notfallplanung: Für unerwartete Schadstoffausbreitungen oder Betriebsstörungen werden Reaktionspläne vorbereitet.
Besonders wichtig ist die Flexibilität des Plans: Da PFAS-Sanierungen oft über viele Jahre laufen, müssen Anpassungen an neue Erkenntnisse, geänderte Grenzwerte oder neue Verfahren möglich sein. Ein starres Konzept wird der Dynamik solcher Projekte nicht gerecht.
Wie RiskCom Sie bei der PFAS-Altlastensanierung unterstützt
Wir bei RiskCom begleiten PFAS-Sanierungsprojekte an Flughäfen, Militärstandorten und Industriegeländen von der ersten Untersuchung bis zum abgeschlossenen Sanierungsnachweis. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Umweltberatung und Altlastensanierung bringen wir das fachliche Fundament mit, das diese komplexen Vorhaben erfordern.
Konkret unterstützen wir Sie in folgenden Bereichen:
- Systematische Standortuntersuchung: Wir planen und führen PFAS-Bodenuntersuchungen und PFAS-Grundwasseruntersuchungen durch, von der historischen Recherche über die Probenahme bis zur Auswertung und Schadensbewertung.
- Rechtssichere Risikobewertung: Wir bewerten PFAS-Kontaminationen anhand aktueller Grenzwerte und Prüfwerte und erstellen belastbare Gefährdungsabschätzungen für Behörden und Investoren.
- Maßgeschneiderte Sanierungskonzepte: Wir entwickeln PFAS-Sanierungskonzepte, die technisch fundiert, wirtschaftlich optimiert und auf die Anforderungen Ihres Standorts zugeschnitten sind, einschließlich Trap-and-Treat-Lösungen und In-situ-Verfahren.
- Sanierungsmanagement und Monitoring: Wir übernehmen die Steuerung der Sanierungsdurchführung, koordinieren Fachunternehmen und führen das langfristige PFAS-Monitoring durch.
- Internationale Projekterfahrung: Unsere Projektreferenzen reichen von Deutschland über Europa bis in außereuropäische Märkte. Diese Erfahrung kommt auch komplexen nationalen Projekten zugute.
Wenn Sie einen PFAS-belasteten Standort verantworten und nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, sprechen Sie uns an. Wir analysieren Ihre Situation, zeigen Handlungsoptionen auf und begleiten Sie durch den gesamten Sanierungsprozess. Erfahren Sie mehr über unser Leistungsspektrum oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.
Ähnliche Artikel
- Wie werden PFAS-Kontaminationen im Boden effektiv saniert?
- Trap and Treat als Sanierungsstrategie für PFAS-belastete Standorte
- Wie schützt ein Wasserschutzgebiet die Trinkwasserversorgung wirklich?
- Was ist Risikokommunikation und wie wird sie eingesetzt?
- Was ist eine Altlast und wie hängt sie mit Bodensanierung zusammen?
