Wie wirken sich Altlasten auf die Trinkwasserqualität aus?

Verseuchte Bodenschichten unter der Erde mit aufsteigenden braunen Schlieren, die ein Glas Trinkwasser auf Stein gefährden.

Altlasten können die Trinkwasserqualität erheblich beeinträchtigen, wenn Schadstoffe aus kontaminierten Böden ins Grundwasser gelangen, das als wichtigste Trinkwasserquelle in Deutschland dient. Besonders chlorierte Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und Mineralölprodukte stellen ein ernstes Risiko für den Trinkwasserschutz dar, da viele dieser Stoffe selbst in geringen Konzentrationen gesundheitsschädlich sind. Die folgenden Fragen beleuchten, wie dieser Prozess abläuft, welche Schadstoffe besonders gefährlich sind und was dagegen getan werden kann.

Wie gelangen Schadstoffe aus Altlasten ins Grundwasser?

Schadstoffe aus Altlasten gelangen hauptsächlich durch Versickerung von Niederschlagswasser ins Grundwasser. Regenwasser löst im Boden enthaltene Schadstoffe heraus und transportiert sie nach unten, bis sie den Grundwasserspiegel erreichen. Dieser Prozess wird als Auswaschung oder Elution bezeichnet und kann über Jahrzehnte andauern, selbst wenn die ursprüngliche Schadstoffquelle längst nicht mehr aktiv ist.

Wie schnell und in welchem Ausmaß Schadstoffe ins Grundwasser eindringen, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Bodenbeschaffenheit spielt eine zentrale Rolle: Sandige oder kiesige Böden sind durchlässiger und lassen Schadstoffe schneller passieren als tonige oder schluffige Schichten. Auch der chemische Charakter des Schadstoffs ist entscheidend. Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) wie PCE und TCE sind besonders mobil und können sich rasch im Untergrund verteilen.

Manche Schadstoffe bilden sogenannte Phasenpools, also Ansammlungen von reiner Schadstoffphase im Boden, die kontinuierlich als Quelle für weitere Grundwasserverunreinigungen dienen. Aus der Praxis von Altlastensanierungen ist bekannt, dass solche Quellherde selbst 50 Jahre nach dem ursprünglichen Schadenseintritt noch messbare Konzentrationen ins Grundwasser abgeben können, ohne dass ein natürlicher Abbau stattfindet. Genau das macht Altlasten zu einer langfristigen Gefahr für die Trinkwasserqualität.

Welche Schadstoffe aus Altlasten sind für das Trinkwasser besonders gefährlich?

Besonders gefährlich für das Trinkwasser sind leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW/LHKW) wie Tetrachlorethen (PCE) und Trichlorethen (TCE), Schwermetalle wie Blei, Arsen und Cadmium sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Mineralölprodukte. Diese Stoffe sind in der Regel persistent, können sich im Grundwasser weit ausbreiten und überschreiten bereits in geringen Mengen die geltenden Trinkwassergrenzwerte.

LCKW stammen häufig aus alten Reinigungsbetrieben, Metallverarbeitungsanlagen oder Deponien. Sie sind schwerer als Wasser und sinken im Untergrund ab, bis sie auf undurchlässige Schichten treffen. Dort bilden sie Schadstoffansammlungen, die über lange Zeiträume als Kontaminationsquelle wirken. Der EU-Trinkwassergrenzwert für einzelne Pestizide und viele chlorierte Lösungsmittel liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter, was zeigt, wie sensibel die Wasserqualität gegenüber diesen Substanzen ist.

Schwermetalle aus alten Bergbaugebieten, Hüttenwerken oder Industriestandorten können sich ebenfalls im Grundwasser anreichern. Anders als organische Schadstoffe werden Schwermetalle biologisch nicht abgebaut und verbleiben dauerhaft im Wasserkreislauf, wenn keine gezielte Sanierung stattfindet. Für den Trinkwasserschutz sind daher regelmäßige Trinkwasseranalysen in der Nähe bekannter Altlastenstandorte unerlässlich.

Wie weit können sich Altlasten-Schadstoffe im Grundwasser ausbreiten?

Schadstofffahnen aus Altlasten können sich im Grundwasser über viele hundert Meter, in ungünstigen Fällen sogar über mehrere Kilometer ausbreiten. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit und -reichweite hängen von der Grundwasserfließgeschwindigkeit, der Schadstoffmenge und der Bodendurchlässigkeit ab. Innerstädtische Schadstofffahnen von 70 Metern und mehr sind aus der Sanierungspraxis bekannt und keine Seltenheit.

Grundwasser fließt in der Regel langsam, oft nur wenige Meter pro Tag. Dennoch können Schadstoffe über Jahre und Jahrzehnte erhebliche Strecken zurücklegen und dabei in Einzugsgebiete von Trinkwasserbrunnen oder Wasserschutzgebieten eindringen. Besonders problematisch ist die Situation, wenn mehrere Altlastenstandorte nebeneinander liegen und sich ihre Schadstofffahnen gegenseitig beeinflussen oder überlagern.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist der sogenannte Rebound-Effekt: Selbst wenn ein Standort saniert wird, kann ein benachbarter kontaminierter Bereich kontinuierlich neue Schadstoffe in den bereits behandelten Bereich eintragen. Das verdeutlicht, dass Grundwasserkontaminationen selten isoliert betrachtet werden dürfen, sondern immer im größeren hydrologischen Kontext bewertet werden müssen.

Wie wird festgestellt, ob eine Altlast das Trinkwasser gefährdet?

Die Gefährdung des Trinkwassers durch eine Altlast wird durch eine systematische Altlastenuntersuchung festgestellt. Diese umfasst Bodenproben, Grundwassermessungen an mehreren Messpunkten sowie die Analyse des Wirkungspfads Boden-Grundwasser gemäß Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Erst wenn die Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser mit den geltenden Prüfwerten verglichen werden, lässt sich eine belastbare Aussage über die tatsächliche Gefährdung treffen.

In der Praxis beginnt die Untersuchung mit einer historischen Erkundung des Standorts, um frühere Nutzungen zu identifizieren. Anschließend folgen orientierende Untersuchungen mit ersten Boden- und Grundwasserproben. Ergeben diese Hinweise auf eine Kontamination, schließt sich eine detaillierte Untersuchung an, die Schadstoffherde lokalisiert, Konzentrationen quantifiziert und die Ausbreitung der Schadstofffahne kartiert.

Für eine vollständige Risikobewertung werden zudem hydrogeologische Parameter wie die Fließrichtung und Fließgeschwindigkeit des Grundwassers erfasst. So lässt sich prognostizieren, ob und wann Schadstoffe Trinkwasserbrunnen oder Wasserschutzgebiete in der Umgebung erreichen könnten. Regelmäßige Trinkwasseranalysen im betroffenen Bereich ergänzen diese Bestandsaufnahme und ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring der Wasserqualität.

Was kann getan werden, um kontaminiertes Grundwasser zu sanieren?

Kontaminiertes Grundwasser kann durch verschiedene Verfahren saniert werden, darunter aktive Pump-and-Treat-Systeme, passive Sicherungsmaßnahmen und moderne In-situ-Sanierungen, bei denen Sanierungsmittel direkt in den Untergrund eingebracht werden. Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von der Art und Konzentration der Schadstoffe, der Geologie des Standorts und den angestrebten Sanierungszielen ab.

Pump-and-Treat als klassische Methode

Beim Pump-and-Treat-Verfahren wird kontaminiertes Grundwasser über Förderbrunnen abgepumpt und oberirdisch gereinigt. Diese Methode ist bewährt und kann Schadstofffahnen effektiv kontrollieren. Allerdings zeigt die Praxis, dass Pump-and-Treat bei heterogenen Böden oder bei Vorhandensein von Quellherden oft nur eine hydraulische Sicherung bietet, ohne die eigentliche Kontamination vollständig zu beseitigen. Die Konzentrationen stagnieren häufig nach einigen Jahren auf einem Plateau und steigen nach Abschalten der Anlage wieder an.

In-situ-Sanierung als moderne Alternative

Moderne In-situ-Sanierungsverfahren setzen direkt im Untergrund an, ohne dass das Grundwasser gefördert werden muss. Dazu gehören chemische Oxidation mit Kaliumpermanganat, reduktive biologische Dechlorierung mit Hilfe von Mikroorganismen wie Dehalococcoides sowie der Einsatz von nullwertigem Eisen (ZVI). Diese Verfahren können Schadstoffe wie PCE und TCE schrittweise bis zu harmlosen Endprodukten abbauen und erzielen dabei oft deutlich nachhaltigere Ergebnisse als klassische Pump-and-Treat-Systeme.

Entscheidend für den Sanierungserfolg ist die genaue Kenntnis der Standortgeologie und der Schadstoffverteilung. Nur wenn Sanierungsagenzien die kontaminierten Bereiche tatsächlich erreichen, können sie wirksam sein. Deshalb ist eine sorgfältige Planung auf Basis detaillierter Standortuntersuchungen die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung und damit für einen nachhaltigen Trinkwasserschutz.

Wer ist verantwortlich, wenn Altlasten das Trinkwasser belasten?

Die Verantwortung für die Sanierung von Altlasten liegt in Deutschland in erster Linie beim Verursacher der Kontamination. Ist dieser nicht mehr greifbar oder zahlungsunfähig, trifft die Pflicht den aktuellen Grundstückseigentümer. In bestimmten Fällen können auch die zuständigen Behörden eingreifen und die Sanierung auf Kosten der Verantwortlichen durchsetzen. Diese Regelungen sind im Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) verankert.

In der Praxis ist die Zuordnung von Verantwortlichkeiten oft komplex, vor allem bei älteren Standorten mit langer Nutzungsgeschichte und mehreren Vorbesitzern. Investoren und Projektentwickler, die Grundstücke mit potenziellen Altlasten erwerben, sollten daher vor dem Kauf eine sorgfältige Umwelt-Due-Diligence durchführen lassen, um unbekannte Haftungsrisiken zu identifizieren und zu bewerten.

Auch Versicherungsunternehmen und Kreditgeber haben ein wachsendes Interesse an der Altlastensituation von Grundstücken, da unkontrollierte Kontaminationen den Wert einer Immobilie erheblich mindern und zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen können. Eine frühzeitige Klärung der Verantwortlichkeiten und eine transparente Kommunikation mit den Behörden sind daher nicht nur rechtlich geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Wie RiskCom beim Schutz der Trinkwasserqualität unterstützt

Wir bei RiskCom GmbH begleiten Unternehmen, Investoren und Behörden seit über 20 Jahren dabei, Altlastenrisiken für die Trinkwasserqualität zu erkennen, zu bewerten und nachhaltig zu beseitigen. Unser Leistungsspektrum deckt den gesamten Prozess ab, von der ersten Untersuchung bis zur abgeschlossenen Sanierung:

  • Altlastenuntersuchung und Standortbewertung: Wir identifizieren Schadstoffherde, kartieren Kontaminationsfahnen und bewerten den Wirkungspfad Boden-Grundwasser auf Basis aktueller gesetzlicher Anforderungen.
  • Umwelt-Due-Diligence: Vor Immobilientransaktionen prüfen wir systematisch, ob Altlasten das Trinkwasser gefährden und welche finanziellen Risiken daraus entstehen können.
  • Sanierungskonzepte und -durchführung: Wir entwickeln maßgeschneiderte Sanierungsstrategien, von klassischen Pump-and-Treat-Systemen bis hin zu innovativen In-situ-Verfahren wie der biologischen Dechlorierung oder der chemischen Oxidation.
  • Risikobewertung mit RIMPro: Unsere eigenentwickelte Software ermöglicht eine präzise Quantifizierung von Risiken und unterstützt fundierte Entscheidungen im Umgang mit kontaminierten Standorten.
  • Monitoring und Erfolgskontrolle: Wir begleiten Sanierungsprojekte langfristig und stellen sicher, dass die Trinkwassergrenzwerte dauerhaft eingehalten werden.

Ob es um einen einzelnen Standort oder ein internationales Projekt geht: Wir stehen Ihnen mit fundierter Expertise zur Seite. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und erfahren Sie, wie wir gemeinsam den Trinkwasserschutz an Ihrem Standort sicherstellen können.

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