Wie werden PFAS-Kontaminationen an Industriestandorten untersucht?

Techniker in Schutzausrüstung senkt Grundwasser-Probenahmeschlauch in Messbrunnen an industriellem Standort.

Die Untersuchung von PFAS-Kontaminationen an Industriestandorten folgt einem mehrstufigen Prozess: Zunächst wird der Standort historisch und orientierend erkundet, dann werden gezielt Boden- und Grundwasserproben entnommen, im Labor auf per- und polyfluorierte Alkylverbindungen analysiert und die Ergebnisse mit geltenden Prüfwerten bewertet. Dieser strukturierte Ablauf ist notwendig, weil PFAS-Schadstoffe aufgrund ihrer chemischen Stabilität und Mobilität im Untergrund besonders schwer zu fassen sind. Die folgenden Abschnitte beleuchten jeden Schritt dieser Untersuchung im Detail.

Welche Untersuchungsphasen gibt es bei PFAS-Standortuntersuchungen?

PFAS-Standortuntersuchungen gliedern sich in der Regel in drei aufeinander aufbauende Phasen: die historische Erkundung, die orientierende Untersuchung und die Detailuntersuchung. Jede Phase liefert spezifische Erkenntnisse, die die nächste Stufe zielgerichtet vorbereiten und unnötige Kosten vermeiden helfen.

In der historischen Erkundung werden Luftbilder, Bauakten, Betriebsunterlagen und Behördenakten ausgewertet, um potenzielle PFAS-Quellen und Ausbreitungspfade zu identifizieren. Auf dieser Grundlage lässt sich ein erstes Konzeptmodell des Standorts entwickeln.

Die orientierende Untersuchung dient der Bestätigung oder dem Ausschluss einer PFAS-Belastung. Dabei werden erste Boden- und Grundwasserproben an strategisch ausgewählten Punkten entnommen. Zeigen die Ergebnisse eine relevante PFAS-Verunreinigung, schließt sich die Detailuntersuchung an.

In der Detailuntersuchung wird die räumliche Ausdehnung der PFAS-Kontamination im Boden und Grundwasser präzise erfasst. Dazu gehören ein engmaschiges Probenahmeprogramm, die Charakterisierung der Schadstofffahne sowie eine Bewertung der Ausbreitungsdynamik. Die Ergebnisse bilden die Basis für ein fundiertes Sanierungskonzept.

Welche Probenmedien werden bei einer PFAS-Untersuchung beprobt?

Bei einer PFAS-Untersuchung werden typischerweise Boden, Grundwasser, Bodenluft und Oberflächenwasser beprobt. Die Auswahl der Probenmedien richtet sich nach den standortspezifischen Ausbreitungspfaden und den identifizierten PFAS-Quellen.

  • Bodenproben: Rammkernsondierungen oder Baggerschürfe liefern Bodenproben aus verschiedenen Tiefen. Besonders relevant sind der ungesättigte Bereich und der Kapillarsaum über dem Grundwasser, da sich PFAS-Schadstoffe dort anreichern können.
  • Grundwasserproben: Über Grundwassermessstellen werden Proben aus unterschiedlichen Grundwasserstockwerken entnommen. Wichtig ist dabei eine schonende Beprobungstechnik, um Entgasungen und Adsorptionsverluste zu minimieren.
  • Oberflächenwasser und Sediment: An Standorten in Gewässernähe werden auch Oberflächenwasser- und Sedimentproben untersucht, um Einträge in Fließgewässer zu erkennen.
  • Bodenluft: Flüchtigere kurzkettige PFAS-Verbindungen können in der Bodenluft nachgewiesen werden, was ergänzende Informationen zur Quellzone liefert.

Die Probenahme selbst erfordert besondere Sorgfalt: PFAS-Kontaminationen können durch Probenahmeequipment aus fluorhaltigen Materialien oder durch Kontamination aus der Umgebungsluft verfälscht werden. Feldblindproben und zertifizierte PFAS-freie Materialien sind daher Standard.

Wie werden PFAS-Proben im Labor analysiert?

PFAS-Proben werden im Labor überwiegend mittels Flüssigchromatographie gekoppelt mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) analysiert. Diese Methode ermöglicht den gleichzeitigen Nachweis von mehreren Dutzend PFAS-Einzelsubstanzen in sehr niedrigen Konzentrationsbereichen, typischerweise im Nanogramm-pro-Liter-Bereich für Wasser.

Neben der Einzelstoffanalytik kommen ergänzend Summenparameter zum Einsatz:

  • EOF-Analyse (Extrahierbarer Organischer Fluor): Diese Methode erfasst das gesamte fluororganische Spektrum einer Probe und deckt auch unbekannte oder noch nicht standardisiert messbare PFAS-Verbindungen auf.
  • TOP-Assay (Total Oxidizable Precursor): Durch chemische Oxidation werden PFAS-Vorläuferverbindungen (Precursor) in messbare Endprodukte umgewandelt. Dies ist besonders wichtig, da Precursor-Substanzen im Boden zu langkettigen perfluorierten Chemikalien abgebaut werden können.

Die Kombination aus Einzelstoffanalytik und Summenparametern liefert ein vollständiges Bild der PFAS-Belastung und verhindert, dass relevante Verbindungen übersehen werden. Akkreditierte Labore mit nachgewiesener Erfahrung in der PFAS-Analytik sind für verlässliche Ergebnisse unerlässlich.

Welche Prüfwerte und Grenzwerte gelten für PFAS in Deutschland?

In Deutschland gelten für PFAS im Boden die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Für das Grundwasser orientiert sich die Bewertung an den Geringfügigkeitsschwellenwerten (GFS) der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) sowie an der Trinkwasserverordnung.

Die BBodSchV enthält seit ihrer Novellierung Prüfwerte für ausgewählte PFAS-Verbindungen wie PFOS und PFOA im Boden, differenziert nach Nutzungspfaden (Wohnen, Industrie, Kinderspielflächen). Für das Grundwasser gelten die GFS-Werte als Orientierung für die Beurteilung einer schädlichen Bodenveränderung.

Auf EU-Ebene wurde im Rahmen der Trinkwasserrichtlinie ein Summenparameter für 20 relevante PFAS-Verbindungen eingeführt: Der Grenzwert liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe dieser Verbindungen. Dieser Wert ist auch für die Bewertung von PFAS im Grundwasser zunehmend relevant, da Grundwasser häufig als Trinkwasserressource dient.

Wichtig: Die Bewertung von PFAS-Belastungen ist komplex, weil die Datenlage zu Toxizität und Umweltverhalten vieler PFAS-Verbindungen noch im Fluss ist und behördliche Anforderungen sich weiterentwickeln. Eine standortspezifische Risikobewertung ist daher in jedem Fall empfehlenswert.

Was sind typische PFAS-Quellen an Industriestandorten?

Typische PFAS-Quellen an Industriestandorten sind der Einsatz von PFAS-haltigem Feuerlöschschaum (AFFF), industrielle Produktionsprozesse sowie die Verwendung von PFAS-haltigen Hilfsstoffen in der Oberflächenbehandlung und Galvanik. Diese Quellen haben in der Vergangenheit zu weitverbreiteten PFAS-Kontaminationen geführt.

Im Einzelnen zählen zu den häufigsten PFAS-Quellen an Industriestandorten:

  • Feuerlöschschaum (AFFF): Flughäfen, Militärstandorte, Feuerwehrübungsplätze und Industrieanlagen mit Brandschutzanlagen haben über Jahrzehnte PFAS-haltigen Löschschaum eingesetzt. Dieser gilt als eine der häufigsten Ursachen für großräumige PFAS-Verunreinigungen im Grundwasser.
  • Galvanik und Oberflächenbehandlung: PFAS wurden als Netzmittel und Prozesshilfsstoffe in galvanischen Bädern und bei der Beschichtung von Metallen eingesetzt.
  • Chemieindustrie: Produktionsstandorte für fluorhaltige Polymere und Spezialchemikalien können erhebliche PFAS-Belastungen im Boden und Grundwasser aufweisen.
  • Textil- und Lederverarbeitung: Imprägnierungsmittel auf PFAS-Basis wurden in der Textil- und Lederindustrie breit eingesetzt und können über Abwässer in den Untergrund gelangt sein.
  • Deponien: Altdeponien, auf denen PFAS-haltige Produkte oder Produktionsabfälle abgelagert wurden, stellen potenzielle Sekundärquellen dar.

Das Wissen um die standortspezifische Nutzungsgeschichte ist entscheidend, um PFAS-Quellen systematisch zu identifizieren und die Untersuchung zielgerichtet zu planen.

Wann ist nach einer PFAS-Untersuchung eine Sanierung erforderlich?

Eine PFAS-Sanierung ist erforderlich, wenn die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass geltende Prüfwerte oder Geringfügigkeitsschwellenwerte überschritten werden und eine Gefährdung von Schutzgütern wie Trinkwasser, menschlicher Gesundheit oder Ökosystemen nachgewiesen oder plausibel ist. Die Sanierungspflicht ergibt sich aus dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG).

Ob und in welchem Umfang saniert werden muss, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Ausmaß und Konzentration der PFAS-Belastung im Boden und Grundwasser
  • Mobilität der nachgewiesenen PFAS-Verbindungen und Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schadstofffahne
  • Nähe zu Trinkwassergewinnungsanlagen oder empfindlichen Ökosystemen
  • Aktuelle und geplante Nutzung des Standorts
  • Behördliche Anforderungen und Auflagen im Einzelfall

Nicht jede Überschreitung eines Prüfwerts führt automatisch zu einer aktiven Sanierungsmaßnahme. In manchen Fällen sind ein langfristiges PFAS-Monitoring oder passive Sicherungsmaßnahmen ausreichend. Bei aktiver Ausbreitung einer PFAS-Grundwasserfahne hingegen sind Verfahren wie Pump-and-Treat, In-situ-Sorptionsbarrieren oder Trap-and-Treat-Ansätze zu prüfen, um die weitere Migration der Ewigkeitschemikalien zu stoppen.

Wie wir bei RiskCom PFAS-Kontaminationen untersuchen und bewerten

Wir bei RiskCom begleiten Industrieunternehmen, Projektentwickler und Investoren von der ersten Verdachtsabklärung bis zur abgeschlossenen PFAS-Sanierung. Unser Leistungsangebot für PFAS-belastete Standorte umfasst:

  • Historische Erkundung und Quellenidentifikation auf Basis von Betriebs- und Behördenunterlagen
  • Planung und Durchführung von PFAS-Boden- und Grundwasseruntersuchungen nach aktuellem Stand der Technik
  • Laborkoordination und Qualitätssicherung der PFAS-Analytik
  • Standortspezifische Risikobewertung auf Basis der geltenden PFAS-Prüfwerte und behördlichen Anforderungen
  • Entwicklung maßgeschneiderter PFAS-Sanierungskonzepte, von passivem Monitoring bis zur aktiven In-situ-Sanierung
  • Begleitung bei Behördenkommunikation und Genehmigungsverfahren

Unsere Experten verfügen über langjährige Erfahrung mit PFAS-Altlasten an Industrie- und Gewerbeflächen und kennen die spezifischen Herausforderungen dieser Schadstoffe. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf, um Ihren Standort professionell bewerten zu lassen und Klarheit über den nächsten Schritt zu erhalten. Mehr über unsere abgeschlossenen Projekte und unsere Herangehensweise erfahren Sie auf unserer Website.

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