Wie werden PFAS in Trinkwasseraufbereitungsanlagen gemessen?

Laborant im weißen Kittel analysiert Wasserprobe in Glasfläschchen, moderne Analysegeräte und Bechergläser auf hellem Labortisch.

PFAS in Trinkwasseraufbereitungsanlagen werden hauptsächlich mit Hochleistungsflüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (LC-MS/MS) gemessen. Diese Methode ermöglicht es, einzelne PFAS-Verbindungen in sehr niedrigen Konzentrationen zuverlässig zu identifizieren und zu quantifizieren. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Messtechnik, Probenahme und den Umgang mit Grenzwertüberschreitungen.

Welche Analysemethoden werden für PFAS in Trinkwasser eingesetzt?

Die Standardmethode zur PFAS-Analyse in Trinkwasser ist die Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS). Sie erlaubt die gleichzeitige Bestimmung von Dutzenden einzelner PFAS-Verbindungen bei sehr niedrigen Konzentrationen. Ergänzend dazu wird die Summenparametermethode TOP (Total Oxidizable Precursor Assay) eingesetzt, um auch Vorläuferverbindungen zu erfassen.

In der Praxis kommen je nach Fragestellung unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

  • LC-MS/MS (Targeted Analysis): Das Standardverfahren für die gezielte Bestimmung bekannter PFAS-Einzelsubstanzen. Es liefert präzise Konzentrationsangaben für regulierte Verbindungen wie PFOS und PFOA.
  • High-Resolution Mass Spectrometry (HRMS): Für eine breitere Suche nach unbekannten oder weniger gut charakterisierten PFAS-Verbindungen, die mit gezielter Analyse nicht erfasst werden.
  • Adsorbable Organofluorine (AOF): Ein Summenparameter, der den Gesamtgehalt an organisch gebundenem Fluor in einer Probe misst und damit auch bisher unbekannte PFAS einschließt.
  • Total Oxidizable Precursor (TOP) Assay: Wandelt Vorläuferverbindungen chemisch in messbare Endprodukte um und gibt so Aufschluss über das tatsächliche PFAS-Potenzial einer Probe.

Für die behördliche Überwachung und die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte ist LC-MS/MS die vorgeschriebene Methode. HRMS und AOF werden vor allem in der Forschung sowie bei komplexen Schadensfällen eingesetzt, bei denen ein vollständiges Bild der PFAS-Belastung erforderlich ist.

Wie niedrig sind die Nachweisgrenzen bei der PFAS-Messung?

Moderne LC-MS/MS-Labore erreichen bei der PFAS-Messung in Trinkwasser Nachweisgrenzen im Bereich von 0,1 bis 1 Nanogramm pro Liter (ng/L). Das entspricht wenigen Billionstel Gramm pro Liter. Diese extrem niedrigen Nachweisgrenzen sind notwendig, weil die gesetzlichen Grenzwerte für PFAS in Trinkwasser ebenfalls im unteren Nanogramm-Bereich liegen.

Die EU-Trinkwasserrichtlinie, die in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung umgesetzt wird, legt für die Summe von 20 regulierten PFAS-Einzelverbindungen einen Grenzwert von 100 ng/L fest. Für PFAS mit besonders hohem Gefährdungspotenzial gilt ein noch strengerer Summenwert von 10 ng/L. Damit die Labore diese Werte sicher unterschreiten und Überschreitungen rechtzeitig erkennen können, müssen die Nachweisgrenzen deutlich unterhalb der Grenzwerte liegen.

Die Qualität der Messung hängt dabei nicht nur von der Geräteausstattung ab. Auch die Probenaufbereitung, die Reinheit der verwendeten Lösungsmittel und die Vermeidung von Kontaminationen im Labor spielen eine entscheidende Rolle. Akkreditierte Labore arbeiten nach standardisierten Normen wie DIN EN ISO 21675, die einheitliche Qualitätsanforderungen für die PFAS-Analytik in Wasser definiert.

Welche PFAS-Verbindungen müssen in Trinkwasser überwacht werden?

In Deutschland müssen Wasserversorger auf Basis der Trinkwasserverordnung eine definierte Liste von PFAS-Verbindungen regelmäßig überwachen. Dazu zählen insbesondere die 20 in der EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) aufgeführten Einzelverbindungen, darunter PFOS, PFOA, PFNA, PFHxS sowie verschiedene Perfluorcarbonsäuren mit unterschiedlicher Kettenlänge.

Die Auswahl der zu überwachenden Verbindungen basiert auf ihrer Verbreitung in der Umwelt, ihrer Persistenz und ihrer toxikologischen Relevanz. Besonders langkettige PFAS wie PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroctansäure) stehen im Fokus, weil sie sich im menschlichen Körper anreichern und mit gesundheitlichen Schäden in Verbindung gebracht werden.

Darüber hinaus empfehlen Fachbehörden in bestimmten Risikosituationen, das Analysenspektrum zu erweitern. Wenn bekannte PFAS-Eintragsquellen wie Feuerlöschschaum-Kontaminationen, industrielle Einleitungen oder landwirtschaftliche Klärschlammausbringungen in der Nähe eines Wasserwerks bekannt sind, sollte das Untersuchungsprogramm entsprechend angepasst werden. Die standortbezogene Risikobewertung hilft dabei, den sinnvollen Umfang des Messprogramms zu bestimmen.

Wie werden Wasserproben für die PFAS-Analyse korrekt entnommen?

Für die PFAS-Analyse müssen Wasserproben in PFAS-freien Behältern aus Polypropylen oder Glas entnommen werden. Standardbehälter aus Polyethylen und insbesondere PTFE-haltige Materialien sind ungeeignet, weil sie selbst Fluorverbindungen abgeben und die Messung verfälschen können. Die Probe muss zudem kühl und lichtgeschützt transportiert und innerhalb weniger Tage analysiert werden.

Folgende Punkte sind bei der Probenahme besonders zu beachten:

  • Probegefäße: Ausschließlich zertifizierte, PFAS-freie PP- oder Glasflaschen verwenden. Keine Behälter mit PTFE-Dichtungen oder -Beschichtungen.
  • Spülen der Entnahmestelle: Vor der eigentlichen Probenahme ausreichend spülen, um stagniertes Wasser aus Leitungen zu entfernen.
  • Schutzkleidung: Keine PFAS-imprägnierten Handschuhe oder Schutzausrüstungen verwenden, da diese die Probe kontaminieren können.
  • Blindwerte: Feldblindproben (Transportblindwerte) mitführen, um Kontaminationen während Transport und Handhabung erkennen zu können.
  • Kühlung und Transport: Proben bei 4 °C kühlen und innerhalb von 72 Stunden ins Labor liefern.
  • Dokumentation: Entnahmeort, Uhrzeit, Temperatur und Besonderheiten genau protokollieren.

Eine fehlerhafte Probenahme kann dazu führen, dass Messergebnisse nicht verwertbar sind oder Kontaminationen fälschlicherweise dem Wasser zugeschrieben werden. Akkreditierte Probenahmefachleute kennen diese Anforderungen und stellen sicher, dass die Ergebnisse gerichtsverwertbar und belastbar sind.

Was passiert, wenn PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser überschritten werden?

Wenn PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser überschritten werden, sind Wasserversorger verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu informieren. Das Gesundheitsamt prüft dann, ob eine Gefährdung der Verbraucher vorliegt, und entscheidet über notwendige Maßnahmen. Im schlimmsten Fall kann eine Abkochempfehlung oder ein Nutzungsverbot ausgesprochen werden.

Der konkrete Handlungsablauf sieht in der Regel so aus:

  1. Sofortmeldung: Der Wasserversorger meldet die Überschreitung dem Gesundheitsamt und der zuständigen Wasserbehörde.
  2. Verbraucherinformation: Die betroffene Bevölkerung wird über geeignete Kanäle informiert, sofern eine Gesundheitsgefahr nicht ausgeschlossen werden kann.
  3. Ursachenermittlung: Parallel zur Meldung beginnt die Suche nach der Eintragsquelle, um weitere Einträge zu unterbinden.
  4. Aufbereitungsmaßnahmen: Wasserwerke können kurzfristig auf Aktivkohlefilter oder Nanofiltration zurückgreifen, um PFAS aus dem Wasser zu entfernen.
  5. Sanierungsplanung: Bei anhaltender Belastung des Rohwassers ist eine langfristige Sanierung der Eintragsquelle erforderlich.

Die Erfahrung zeigt, dass eine schnelle und strukturierte Reaktion entscheidend ist. Unternehmen und Behörden, die bereits über ein etabliertes Notfallmanagement verfügen, können in solchen Situationen deutlich schneller und gezielter handeln.

Wie unterscheidet sich die PFAS-Messung in Rohwasser von der im Reinwasser?

Die PFAS-Messung in Rohwasser und Reinwasser folgt zwar denselben analytischen Grundprinzipien, unterscheidet sich aber in der Probenaufbereitung und der Interpretation der Ergebnisse. Rohwasser aus Brunnen oder Oberflächengewässern enthält häufig mehr störende Begleitsubstanzen, die eine aufwendigere Probenaufbereitung vor der Messung erfordern.

Im Rohwasser geht es darum, die tatsächliche Belastung der Wasserressource zu verstehen. Hier sind oft breitere Analysenspektren sinnvoll, weil noch unbekannte PFAS-Verbindungen vorhanden sein können, die erst durch die Aufbereitung teilweise entfernt werden. Die Messung im Rohwasser dient vor allem der Bewertung von Eintragsquellen und der Planung von Aufbereitungsmaßnahmen. Eine fundierte In-situ-Bewertung des Standorts kann helfen, die Herkunft der Belastung zu identifizieren.

Im Reinwasser hingegen steht die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte im Vordergrund. Hier wird gezielt auf die regulierten Verbindungen geprüft, und die Messung dient als Nachweis, dass das abgegebene Wasser den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht. Die Probenmatrix ist in der Regel sauberer, was die Analyse vereinfacht.

Ein wichtiger Aspekt: Bestimmte PFAS-Vorläuferverbindungen, die im Rohwasser noch nicht als PFAS vorliegen, können durch Aufbereitungsschritte wie Chlorung zu messbaren PFAS umgewandelt werden. Das bedeutet, dass das Reinwasser in Einzelfällen höhere PFAS-Konzentrationen aufweisen kann als das Rohwasser. Deshalb ist die parallele Messung beider Wasserpfade für ein vollständiges Bild unerlässlich.

Wie RiskCom bei PFAS-Belastungen im Trinkwasser unterstützt

PFAS-Belastungen in Trinkwasserressourcen sind komplex, und der Weg von der ersten Messung bis zur dauerhaften Lösung erfordert interdisziplinäres Know-how. Wir bei RiskCom begleiten Wasserversorger, Kommunen, Industrieunternehmen und Behörden in allen Phasen dieses Prozesses.

Unser Leistungsangebot im Bereich PFAS umfasst unter anderem:

  • Standortbezogene Risikoanalyse: Wir bewerten, ob und in welchem Ausmaß PFAS-Eintragsquellen eine Gefährdung für Trinkwasserressourcen darstellen.
  • Probenahmeplanung und Messprogramme: Wir konzipieren fachgerechte Untersuchungsprogramme, die sowohl Rohwasser als auch Reinwasser abdecken und die relevanten Verbindungen erfassen.
  • Sanierungskonzepte: Bei nachgewiesener Belastung entwickeln wir wirtschaftliche und wirksame Sanierungsstrategien, von der Quellenbeseitigung bis zur Wasseraufbereitungsoptimierung.
  • Notfallmanagement: Wenn Grenzwerte überschritten werden, helfen wir, schnell und strukturiert zu reagieren und Kommunikation sowie Behördenabstimmung zu koordinieren.
  • Compliance-Beratung: Wir stellen sicher, dass Ihre Maßnahmen den Anforderungen der Trinkwasserverordnung und der EU-Trinkwasserrichtlinie entsprechen.

Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Umweltberatung und Sanierung sowie unserer eigens entwickelten Risikomanagementsoftware RIMPro© bringen wir die Werkzeuge mit, die für eine präzise Bewertung und effiziente Lösung notwendig sind. Erfahren Sie mehr über unser Team und unsere Expertise oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die beste Lösung für Ihre spezifische Situation zu entwickeln.