Wie erkennt man eine PFAS-Verunreinigung auf einem Grundstück?

Umwelttechniker entnimmt Bodenkernprobe aus kontaminiertem Erdreich neben geöffnetem Feldtestkit.

Eine PFAS-Verunreinigung auf einem Grundstück lässt sich in der Regel nicht mit bloßem Auge erkennen. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen sind farb- und geruchlos, sodass eine sichere Feststellung nur durch gezielte Boden- und Grundwasserproben sowie Laboranalysen möglich ist. Wer ein Grundstück kaufen, verkaufen oder sanieren möchte, sollte die wichtigsten Warnsignale, Untersuchungsmethoden und rechtlichen Rahmenbedingungen kennen.

Wo kommen PFAS-Verunreinigungen auf Grundstücken typischerweise her?

PFAS-Verunreinigungen auf Grundstücken entstehen meist durch den jahrzehntelangen Einsatz PFAS-haltiger Produkte in Industrie, Gewerbe und Feuerwehrwesen. Besonders häufig betroffen sind Flächen, auf denen in der Vergangenheit Löschschäume (AFFF) eingesetzt wurden, sowie Standorte chemischer oder galvanischer Betriebe, Textilveredelungsanlagen und Papierfabriken.

Zu den typischen Quellen einer PFAS-Verunreinigung gehören:

  • Feuerwehrübungsplätze und Flughäfen: Fluorhaltige Löschschäume galten jahrzehntelang als Standard. Böden und Grundwasser in der Umgebung weisen deshalb häufig erhöhte PFAS-Gehalte auf.
  • Industrielle Produktionsstandorte: Galvanikbetriebe, Halbleiterhersteller und Unternehmen der Oberflächenbehandlung verwenden oder verwendeten PFAS als Prozesschemikalie.
  • Deponien und Altablagerungen: Über Sickerwasser können PFAS aus alten Ablagerungen in den Untergrund gelangen.
  • Landwirtschaftliche Flächen: Klärschlammausbringung hat in manchen Regionen zu einer flächigen PFAS-Belastung des Bodens geführt.
  • Militärische Liegenschaften: Besonders ehemalige NATO-Flugplätze sind wegen des intensiven Einsatzes von Löschschaum als Risikostandorte bekannt.

PFAS sind extrem persistent. Sie bauen sich im Boden und im Grundwasser kaum ab und können sich über den Grundwasserstrom weit vom ursprünglichen Eintragspunkt entfernen. Das bedeutet: Auch Grundstücke, die selbst nie industriell genutzt wurden, können durch benachbarte Eintragsquellen belastet sein.

Welche Anzeichen deuten auf eine mögliche PFAS-Belastung hin?

Direkte sichtbare Anzeichen für eine PFAS-Belastung im Boden gibt es nicht. Stattdessen sind es die Nutzungsgeschichte eines Grundstücks, seine Lage und bestimmte behördliche Informationen, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Wer diese indirekten Hinweise kennt, kann gezielt eine Altlastenuntersuchung veranlassen.

Folgende Umstände sollten als Warnsignale ernst genommen werden:

  • Die Fläche liegt in der Nähe eines ehemaligen oder aktiven Flughafens, Militärgeländes oder Feuerwehrübungsplatzes.
  • Das Grundstück wurde früher gewerblich oder industriell genutzt, etwa als Reinigungsbetrieb, Galvanikbetrieb oder Textilverarbeitung.
  • Das Grundstück befindet sich im Abstrom einer bekannten Altlast oder eines PFAS-Verdachtsstandorts.
  • In der Region wurde Klärschlamm als Dünger ausgebracht, der PFAS-haltige Industrieabwässer enthielt.
  • Behördliche Altlastenkataster oder Bodenschutzberichte listen das Grundstück oder benachbarte Flächen als Verdachtsflächen.

In Deutschland führen die Bundesländer Altlastenkataster, in denen bekannte Verdachtsflächen und schädliche Bodenveränderungen erfasst sind. Eine Anfrage beim zuständigen Umweltamt oder eine Einsicht in diese Register ist ein sinnvoller erster Schritt, bevor kostenintensive Laboruntersuchungen in Auftrag gegeben werden.

Wie wird eine PFAS-Verunreinigung im Boden und Grundwasser nachgewiesen?

Der Nachweis einer PFAS-Verunreinigung im Boden und Grundwasser erfolgt durch eine systematische Altlastenuntersuchung mit Probenahme und anschließender Laboranalyse. Dabei werden Bodenproben aus verschiedenen Tiefen sowie Grundwasserproben aus Messstellen entnommen und auf eine Vielzahl von PFAS-Einzelverbindungen untersucht.

Bodenuntersuchung auf PFAS

Bei der Bodenuntersuchung werden Proben in unterschiedlichen Tiefen entnommen, um sowohl die ungesättigte Zone als auch den grundwassernahen Bereich zu erfassen. Die Laboranalyse erfolgt nach standardisierten Verfahren, typischerweise mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (LC-MS/MS). Untersucht wird auf ein breites Spektrum an PFAS-Verbindungen, darunter PFOS, PFOA und eine Vielzahl weiterer Per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen.

Grundwasseruntersuchung auf PFAS

Für die Grundwasseruntersuchung werden Messstellen abgeteuft oder vorhandene Brunnen genutzt. Da PFAS im Grundwasser sehr mobil sind, ist es wichtig, sowohl den Bereich unterhalb der Eintragsquelle als auch den Abstrombereich zu beproben. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, ob und in welche Richtung sich eine Schadstofffahne im Aquifer ausgebreitet hat.

Eine vollständige Risikobewertung berücksichtigt neben den Messwerten auch die hydrogeologischen Verhältnisse am Standort: Grundwasserfließrichtung, Aquifertyp und die Nähe zu Trinkwasserbrunnen oder Oberflächengewässern beeinflussen maßgeblich, wie groß das tatsächliche Gefährdungspotenzial ist.

Welche Grenz- und Prüfwerte gelten für PFAS in Deutschland?

In Deutschland gelten für PFAS im Boden und Grundwasser verschiedene Prüf- und Maßnahmenwerte, die sich je nach Schutzgut und Wirkungspfad unterscheiden. Für Grundwasser hat die EU mit der überarbeiteten Trinkwasserrichtlinie verbindliche Grenzwerte eingeführt, die Deutschland in nationales Recht umgesetzt hat.

Die wichtigsten Regelwerke und Richtwerte im Überblick:

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Für die Summe von 20 definierten PFAS gilt ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter, für PFOS und PFOA jeweils 0,02 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser.
  • Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV): Die 2023 novellierte BBodSchV enthält erstmals konkrete Prüfwerte für PFAS im Boden, differenziert nach Nutzungsart und Wirkungspfad (Boden-Mensch, Boden-Grundwasser, Boden-Pflanze).
  • LAWA-Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS): Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser hat Geringfügigkeitsschwellen für PFAS im Grundwasser festgelegt, die als Orientierungswerte für die Bewertung von Grundwasserverunreinigungen dienen.
  • Länderspezifische Regelungen: Einzelne Bundesländer haben ergänzende Orientierungs- und Maßnahmenwerte veröffentlicht, die im Einzelfall maßgeblich sein können.

Da die Bewertungsgrundlagen für PFAS in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt wurden und sich das Regelwerk weiter im Wandel befindet, empfiehlt sich immer eine Beurteilung durch erfahrene Fachgutachter, die den aktuellen Stand der Technik und Gesetzgebung kennen.

Was sollte man tun, wenn eine PFAS-Belastung festgestellt wird?

Wird eine PFAS-Verunreinigung im Boden oder Grundwasser festgestellt, sind strukturierte Folgemaßnahmen notwendig. Der erste Schritt ist eine detaillierte Gefährdungsabschätzung, die klärt, ob und in welchem Umfang Handlungsbedarf besteht. Danach richtet sich, ob eine Sanierung erforderlich ist oder ob Sicherungsmaßnahmen ausreichen.

Die empfohlene Vorgehensweise nach einem positiven Befund:

  1. Behördliche Meldepflicht prüfen: In vielen Fällen besteht eine Pflicht zur Anzeige gegenüber der zuständigen Bodenschutzbehörde. Wer eine schädliche Bodenveränderung kennt und nicht meldet, riskiert rechtliche Konsequenzen.
  2. Detaillierte Untersuchung beauftragen: Auf Basis der ersten Befunde wird eine orientierende oder detaillierte Untersuchung durchgeführt, um Schadstoffherde, Ausbreitung und Gefährdungspfade genau zu charakterisieren.
  3. Sanierungsuntersuchung und Konzept: Ergibt die Untersuchung Handlungsbedarf, wird ein Sanierungskonzept erarbeitet. Für PFAS kommen je nach Standortbedingungen verschiedene Verfahren in Betracht, darunter Bodenaushub, Pump-and-Treat-Systeme oder innovative In-situ-Verfahren.
  4. Sanierungsdurchführung und Monitoring: Die Umsetzung der Sanierung wird durch ein begleitendes Monitoring überwacht, das den Sanierungsfortschritt dokumentiert und bei Bedarf Anpassungen ermöglicht.

Wichtig ist, dass bei PFAS-Standorten die Besonderheiten dieser Stoffgruppe berücksichtigt werden: PFAS sind schwer abbaubar, sehr mobil im Grundwasser und können sich über große Distanzen ausbreiten. Klassische Sanierungsverfahren stoßen hier häufig an Grenzen, weshalb die Auswahl des richtigen Verfahrens besondere Fachkenntnis erfordert.

Welche Risiken entstehen beim Kauf eines PFAS-belasteten Grundstücks?

Der Kauf eines PFAS-belasteten Grundstücks birgt erhebliche rechtliche, finanzielle und gesundheitliche Risiken. Käufer können unter Umständen für Sanierungskosten haftbar gemacht werden, auch wenn sie die Verunreinigung nicht verursacht haben. Eine sorgfältige Umwelt-Due-Diligence vor dem Erwerb ist deshalb unerlässlich.

Die wesentlichen Risiken im Einzelnen:

  • Sanierungshaftung: Nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) können auch Grundstückseigentümer zur Sanierung verpflichtet werden, selbst wenn sie die Verunreinigung nicht verursacht haben. Die Sanierungskosten für PFAS-kontaminierte Flächen können erheblich sein.
  • Wertminderung: Ein belastetes Grundstück verliert an Marktwert. Selbst nach einer Sanierung kann eine verbleibende Stigmatisierung den Verkehrswert dauerhaft beeinflussen.
  • Nutzungseinschränkungen: Behördliche Auflagen können die geplante Nutzung einschränken oder unmöglich machen, etwa wenn Trinkwasserbrunnen oder landwirtschaftliche Nutzung betroffen sind.
  • Gesundheitsrisiken: PFAS stehen im Verdacht, bei dauerhafter Exposition gesundheitsschädlich zu sein. Besonders relevant ist dies bei Nutzungen mit direktem Bodenkontakt, etwa Kinderspielplätzen oder Gemüsegärten.
  • Finanzierungsprobleme: Banken und Investoren verlangen zunehmend Nachweise über den Umweltzustand von Grundstücken. Eine bekannte PFAS-Belastung kann die Finanzierung erschweren oder verteuern.

Wer ein Grundstück mit unbekannter Nutzungsgeschichte erwerben möchte, sollte vor dem Kauf eine professionelle Umwelt-Due-Diligence durchführen lassen. Diese bewertet systematisch alle verfügbaren Informationen zur Standorthistorie und empfiehlt bei Bedarf gezielte Untersuchungen.

Wie RiskCom bei PFAS-Verunreinigungen auf Grundstücken hilft

Wir bei RiskCom GmbH begleiten Sie bei allen Schritten rund um die Erkennung, Bewertung und Sanierung von PFAS-Verunreinigungen auf Grundstücken. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Umweltberatung und Altlastensanierung bieten wir Ihnen das gesamte Leistungsspektrum aus einer Hand:

  • Historische Recherche und Erstbewertung: Wir prüfen Nutzungsgeschichte, Altlastenkataster und Lageinformationen, um das Risikopotenzial eines Grundstücks frühzeitig einzuschätzen.
  • Altlastenuntersuchung PFAS: Wir planen und koordinieren Boden- und Grundwasseruntersuchungen nach aktuellem Stand der Technik, einschließlich Probenahme und Laboranalytik auf das vollständige PFAS-Spektrum.
  • Risikobewertung und Gefährdungsabschätzung: Auf Basis der Messergebnisse und der Standorthydrogeologie bewerten wir, ob und in welchem Umfang Handlungsbedarf besteht.
  • Umwelt-Due-Diligence: Für Käufer, Verkäufer und Investoren erstellen wir fundierte Gutachten, die Transaktionsrisiken transparent machen.
  • Sanierungskonzepte und Durchführung: Wir entwickeln wirtschaftliche Sanierungskonzepte und setzen diese um, von klassischen Aushubverfahren bis zu innovativen In-situ-Sanierungen.
  • Behördenkommunikation: Wir unterstützen Sie bei der Kommunikation mit Umweltbehörden und begleiten das gesamte Genehmigungsverfahren.

Haben Sie Fragen zu einer möglichen PFAS-Belastung auf Ihrem Grundstück oder planen Sie den Kauf einer Fläche mit unbekannter Nutzungsgeschichte? Sprechen Sie uns an und lassen Sie sich von unseren Experten unverbindlich beraten.

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