Bei ehemaligen Tankstellengrundstücken sind vor allem Mineralölkohlenwasserstoffe, BTEX-Verbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) als typische Schadstoffe zu erwarten. Diese Stoffe gelangen durch undichte Tanks, Rohrleitungen oder Betankungsvorgänge in den Boden und können über Jahrzehnte hinweg im Untergrund verbleiben. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Kontaminationen an Tankstellenstandorten.
Welche Bodenverunreinigungen entstehen durch Kraftstoffleckagen?
Kraftstoffleckagen an Tankstellen verursachen in erster Linie Verunreinigungen durch Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), zu denen Benzin, Diesel und Heizöl gehören. Diese Stoffe dringen in den Boden ein, verteilen sich lateral und können das Grundwasser erreichen. Besonders problematisch sind leichtflüchtige Anteile, die sich auch in der Bodenluft anreichern.
Die häufigsten Eintragsquellen an Tankstellenstandorten sind undichte unterirdische Lagertanks, korrodierte Rohrleitungen, Leckagen an Zapfsäulen sowie Verschüttungen auf der Betankungsfläche. Ältere Standorte, die vor den 1980er Jahren betrieben wurden, weisen häufig Stahlbehälter ohne ausreichenden Korrosionsschutz auf. Diese Tanks sind besonders anfällig für Leckagen und hinterlassen oft großflächige Kontaminationen im Boden.
Neben den eigentlichen Kraftstoffen spielen auch Schmierstoffe, Hydrauliköle und Frostschutzmittel eine Rolle, die im Bereich von Werkstätten oder Waschanlagen in den Untergrund gelangt sein können. Eine fachkundige Risikobewertung ist daher unerlässlich, um das vollständige Schadstoffspektrum eines Standorts zu erfassen.
Was sind BTEX-Verbindungen und warum sind sie so gefährlich?
BTEX ist ein Sammelbegriff für die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol. Diese Verbindungen sind natürlicher Bestandteil von Benzin und Diesel und gelten als besonders gefährlich, weil sie leicht wasserlöslich und gut im Grundwasser transportierbar sind. Benzol ist zudem als krebserzeugend eingestuft.
Die Gefährlichkeit der BTEX-Verbindungen liegt vor allem in ihrer Mobilität. Während schwere Mineralölfraktionen im Boden verbleiben, lösen sich BTEX-Verbindungen bevorzugt in Wasser auf und bilden sogenannte Schadstofffahnen im Grundwasser, die sich weit vom ursprünglichen Eintragsort entfernen können. Selbst kleine Mengen Benzol können Grundwasserbrunnen in erheblicher Entfernung kontaminieren.
Für Benzol gilt in Deutschland ein Geringfügigkeitsschwellenwert von 1 Mikrogramm pro Liter im Grundwasser. Dieser extrem niedrige Wert verdeutlicht, wie ernst die Behörden das Gefährdungspotenzial dieser Substanz nehmen. An ehemaligen Tankstellenstandorten werden Benzolkonzentrationen im Grundwasser häufig um ein Vielfaches höher gemessen.
Welche weiteren Schadstoffe sind neben Kraftstoffen zu finden?
Neben Kraftstoffen und BTEX-Verbindungen sind an Tankstellenstandorten häufig polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Blei, Methyl-tert-butylether (MTBE) sowie chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) anzutreffen. Die genaue Zusammensetzung hängt vom Betriebszeitraum und der Art der durchgeführten Tätigkeiten ab.
PAK entstehen bei unvollständiger Verbrennung und finden sich im Teer alter Abdichtungsschichten, aber auch in Kraftstoffrückständen. Blei wurde bis in die 1980er Jahre als Antiklopfmittel in Benzin eingesetzt und ist daher an älteren Standorten im Boden nachweisbar. MTBE wurde ab den 1990er Jahren als Kraftstoffzusatz verwendet und ist aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit und seines charakteristischen Geruchs ein problematischer Grundwasserschadstoff.
In Verbindung mit angeschlossenen Kfz-Werkstätten können auch Lösemittel, Entfetter und chlorierte Kohlenwasserstoffe vorhanden sein. Diese Stoffe wurden früher zur Fahrzeugreinigung und Teileentfettung eingesetzt und sind ebenfalls als umweltgefährlich eingestuft. Eine vollständige Schadstofferfassung muss daher immer die gesamte Nutzungsgeschichte des Standorts berücksichtigen.
Wie tief können Schadstoffe in den Untergrund eindringen?
Die Eindringtiefe von Schadstoffen in den Untergrund hängt von der Art des Schadstoffs, der Bodenbeschaffenheit und der Menge des eingetragenen Materials ab. Leichtflüchtige Verbindungen wie BTEX verbreiten sich über die Gasphase auch seitlich, während flüssige Kraftstoffe als sogenannte freie Phase durch den Boden bis zum Grundwasserspiegel absinken können.
In durchlässigen sandigen Böden können Schadstoffe innerhalb weniger Jahre bis in Tiefen von zehn Metern und mehr vordringen. In tonreichen oder bindigen Böden verlangsamt sich die Ausbreitung erheblich, doch können Schadstoffe über lange Zeiträume gespeichert und langsam wieder freigesetzt werden. Dieses Verhalten macht die Sanierung besonders anspruchsvoll.
Besonders gefährlich ist der Übergang in das Grundwasser. Dort bilden leichtere Kraftstoffphasen einen Auftriebskörper an der Grundwasseroberfläche, während sich gelöste Schadstoffanteile mit dem Grundwasserstrom fortbewegen. Die Ausbreitung einer solchen Schadstofffahne kann je nach hydrogeologischen Bedingungen mehrere hundert Meter betragen.
Wann ist eine Altlastenuntersuchung bei Tankstellengrundstücken Pflicht?
Eine Altlastenuntersuchung bei ehemaligen Tankstellengrundstücken ist in der Regel dann gesetzlich erforderlich, wenn eine Nutzungsänderung, ein Verkauf oder eine Neubebauung geplant ist. Die rechtliche Grundlage bildet das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) in Verbindung mit der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV).
Behörden können eine Untersuchung auch ohne konkreten Anlass anordnen, wenn ein begründeter Verdacht auf schädliche Bodenveränderungen besteht. Bei Tankstellenstandorten gilt dieser Verdacht in der Praxis fast immer als gegeben, da die Branche zu den klassischen Altlastenverdachtsflächen zählt. Käufer und Investoren sollten daher bereits vor dem Erwerb eines solchen Grundstücks eine Umwelt-Due-Diligence durchführen lassen.
Auch Versicherungsgesellschaften und Kreditgeber verlangen bei der Finanzierung von Grundstückstransaktionen zunehmend Nachweise über den Bodenzustand. Wer frühzeitig eine qualifizierte Untersuchung in Auftrag gibt, schützt sich vor unliebsamen Überraschungen und schafft Planungssicherheit für das weitere Vorgehen.
Welche Sanierungsverfahren eignen sich für Tankstellenstandorte?
Für die Bodensanierung an Tankstellenstandorten kommen je nach Schadstofftyp und Untergrundverhältnissen verschiedene Verfahren in Betracht: Bodenluftabsaugung, Pump-and-Treat, biologische In-situ-Sanierung sowie chemische Oxidation. Die Wahl des optimalen Verfahrens hängt von der Art der Kontamination, der Tiefenlage und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Aktive Sanierungsverfahren
Die Bodenluftabsaugung eignet sich besonders gut für leichtflüchtige Schadstoffe wie BTEX und MTBE in der ungesättigten Bodenzone. Dabei wird kontaminierte Bodenluft über Brunnen abgesaugt und an der Oberfläche behandelt. Beim Pump-and-Treat-Verfahren wird kontaminiertes Grundwasser gefördert, gereinigt und wieder eingeleitet. Dieses Verfahren ist erprobt, erfordert jedoch oft einen langjährigen Betrieb.
In-situ-Verfahren als wirtschaftliche Alternative
Biologische und chemische In-situ-Sanierungsverfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie Schadstoffe direkt im Untergrund abbauen, ohne aufwendige Ausgrabungen oder Fördermaßnahmen zu erfordern. Bei der chemischen Oxidation werden reaktive Substanzen in den Boden eingebracht, die Schadstoffe direkt vor Ort zerstören. Biologische Verfahren nutzen natürliche oder gezielt eingebrachte Mikroorganismen, die Kohlenwasserstoffe metabolisieren. Diese Ansätze sind häufig kosteneffizienter und weniger invasiv als klassische Aushubsanierungen.
Wie RiskCom bei der Sanierung ehemaliger Tankstellenstandorte hilft
Ehemalige Tankstellengrundstücke gehören zu den komplexesten Altlastenfällen, die eine systematische und erfahrene Herangehensweise erfordern. Wir bei RiskCom begleiten Sie von der ersten Verdachtsflächenanalyse bis zur abgeschlossenen Sanierung mit einem ganzheitlichen Leistungsangebot:
- Altlastenuntersuchung und Schadstoffkartierung: Wir erfassen das vollständige Schadstoffspektrum Ihres Standorts, einschließlich MKW, BTEX, PAK, MTBE und weiterer standortspezifischer Stoffe.
- Risikobewertung nach aktuellen Standards: Mit unserer eigenentwickelten Software RIMPro© quantifizieren wir Risiken präzise und liefern belastbare Grundlagen für Behörden, Investoren und Versicherungen.
- Sanierungskonzept und Verfahrensauswahl: Wir wählen das wirtschaftlichste Sanierungsverfahren für Ihren Standort, ob Bodenluftabsaugung, Pump-and-Treat oder innovative In-situ-Methoden.
- Sanierungsdurchführung und -management: Wir übernehmen die operative Umsetzung und das Monitoring bis zur behördlichen Abnahme.
- Umwelt-Due-Diligence für Käufer und Investoren: Wir schaffen Transparenz vor dem Grundstückserwerb und schützen Sie vor versteckten Haftungsrisiken.
Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Bodensanierung und internationalen Projekten kennen wir die typischen Herausforderungen an Tankstellenstandorten genau. Erfahren Sie mehr über uns und unsere Expertise oder nehmen Sie direkt Kontakt auf, um Ihren Standort unverbindlich besprechen zu lassen.
