Welche Grenzwerte gelten für PFAS im Grundwasser in Deutschland 2026?

Glasfläschchen mit klarer Grundwasserprobe im Gegenlicht, grüne Wiese und Bach im unscharfen Hintergrund.

Für PFAS im Grundwasser gilt in Deutschland seit der Novellierung der Grundwasserverordnung ein Schwellenwert von 0,10 Mikrogramm pro Liter für die Summe aller PFAS sowie spezifische Einzelwerte für besonders regulierte Verbindungen wie PFOS und PFOA. Diese Grenzwerte gelten für alle Grundwasserkörper und sind verbindlich für die Beurteilung von Kontaminationen, Sanierungsbedarf und behördliche Maßnahmen. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um PFAS-Grenzwerte, Untersuchungspflichten und Handlungsoptionen im Jahr 2026.

Welche gesetzlichen Grundlagen legen die PFAS-Grenzwerte fest?

Die PFAS-Grenzwerte für Grundwasser in Deutschland basieren auf der Grundwasserverordnung (GrwV), die europäisches Recht in nationales Recht überführt. Die EU-Grundwasserrichtlinie (2006/118/EG) sowie deren Änderungen durch die Tochterrichtlinie zur Grundwasserqualität legen Qualitätsnormen und Schwellenwerte fest, die die Mitgliedstaaten umsetzen müssen. Ergänzend dazu spielen das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) eine wichtige Rolle, sobald PFAS-Kontaminationen auf Altlastenflächen oder in Böden festgestellt werden.

Auf europäischer Ebene hat die Überarbeitung der Grundwasserrichtlinie im Rahmen der EU-Chemikalienstrategie dazu geführt, dass PFAS als Substanzgruppe stärker reguliert werden. In Deutschland orientieren sich die zuständigen Landesbehörden zusätzlich an Orientierungswerten der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), die praxisnahe Bewertungsmaßstäbe für PFAS in Grundwasser und Boden bereitstellt. Diese Orientierungswerte sind zwar nicht rechtsverbindlich, werden aber in der behördlichen Praxis regelmäßig herangezogen.

Welche konkreten PFAS-Grenzwerte gelten 2026 im Grundwasser?

Für das Grundwasser gelten in Deutschland 2026 folgende Schwellenwerte: 0,10 µg/l für die Summe aller PFAS, 0,065 µg/l für PFOS und 0,065 µg/l für PFOA als Einzelsubstanzen. Diese Werte sind in der novellierten Grundwasserverordnung verankert und entsprechen den aktuellen EU-Vorgaben. Für weitere Einzelsubstanzen wie PFHxS, PFNA und PFHpA gelten ebenfalls spezifische Grenzwerte, die je nach Verbindung variieren.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Qualitätsnormen und Schwellenwerten: Qualitätsnormen beziehen sich auf den chemischen Zustand des Grundwasserkörpers im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie, während Schwellenwerte für die Beurteilung von Trends und lokalen Einträgen herangezogen werden. In der Praxis bedeutet das, dass bereits bei Überschreitung des Summenwertes von 0,10 µg/l Handlungsbedarf besteht, unabhängig davon, welche einzelnen PFAS-Verbindungen die Belastung verursachen.

Die LAWA hat zudem substanzspezifische Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS) veröffentlicht, die als Orientierung für die Bewertung von Grundwasserkontaminationen dienen. Für die Summe aus PFOS, PFOA, PFNA, PFHxS und PFHpA gilt ein GFS von 0,1 µg/l. Für PFAS mit kürzeren Kettenlängen, sogenannte kurzkettige PFAS, liegen die Bewertungsmaßstäbe teils höher, da deren Mobilität und Persistenz im Grundwasser anders bewertet werden.

Wie unterscheiden sich PFAS-Grenzwerte für Grundwasser und Trinkwasser?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Schutzzielsetzung: Für Trinkwasser gilt seit 2023 ein deutlich strengerer Parameterwert von 0,10 µg/l für die Summe von 20 regulierten PFAS sowie 0,50 µg/l für alle PFAS insgesamt, basierend auf der novellierten EU-Trinkwasserrichtlinie. Für das Grundwasser als Ressource gelten die oben genannten Schwellenwerte der Grundwasserverordnung, die auf den Schutz des Gewässerkörpers selbst abzielen.

In der Praxis kann Grundwasser unterhalb der Grundwasser-Schwellenwerte dennoch nicht direkt als Trinkwasser genutzt werden, wenn die Trinkwassergrenzwerte strenger sind. Umgekehrt können Grundwasserbelastungen, die den Trinkwasserparameterwert nicht überschreiten, dennoch behördlich relevant sein, wenn sie Trends anzeigen oder Qualitätsnormen für den Gewässerkörper gefährden. Wasserversorger, die auf belastetes Grundwasser angewiesen sind, müssen deshalb beide Regelwerke gleichzeitig im Blick behalten.

Was passiert, wenn PFAS-Grenzwerte im Grundwasser überschritten werden?

Bei Überschreitung der PFAS-Schwellenwerte im Grundwasser sind die zuständigen Wasserbehörden der Bundesländer verpflichtet, Maßnahmenprogramme einzuleiten. Für Unternehmen und Grundstückseigentümer bedeutet das konkret: Es können Untersuchungsanordnungen, Sanierungsgebote und behördliche Auflagen folgen, die auf Grundlage des Wasserhaushaltsgesetzes und des Bundes-Bodenschutzgesetzes ergehen.

Die Konsequenzen hängen stark davon ab, ob eine klare Verursacherquelle identifiziert werden kann. Ist ein Verursacher bekannt, gilt das Verursacherprinzip: Die Kosten für Untersuchung und Sanierung trägt grundsätzlich derjenige, der die Kontamination verursacht hat. Bei diffusen Einträgen, etwa durch landwirtschaftliche Nutzung von PFAS-haltigen Klärschlämmen, ist die Kostentragung rechtlich komplexer und führt häufig zu langwierigen behördlichen Verfahren.

Für Investoren und Projektentwickler ist eine frühzeitige Risikobewertung von Grundstücken entscheidend, um spätere Haftungsrisiken zu vermeiden. PFAS-Belastungen können den Wert eines Grundstücks erheblich mindern und Finanzierungen gefährden.

Wie werden PFAS-Kontaminationen im Grundwasser untersucht und bewertet?

Die Untersuchung von PFAS im Grundwasser erfolgt in mehreren Schritten: zunächst eine orientierende Untersuchung zur Feststellung, ob überhaupt eine relevante Belastung vorliegt, gefolgt von einer Detailuntersuchung zur räumlichen Abgrenzung der Schadstofffahne und Quantifizierung der Kontamination. Grundlage ist in der Regel die LAWA-Arbeitshilfe zur Untersuchung und Bewertung von PFAS-Belastungen.

Probenahme und Analytik

Die Beprobung von Grundwassermessstellen muss nach standardisierten Verfahren erfolgen, um vergleichbare und gerichtsverwertbare Ergebnisse zu liefern. Besondere Sorgfalt ist bei der Vermeidung von Kontaminationen durch PFAS-haltige Materialien (z.B. bestimmte Schläuche oder Behälter) geboten, da PFAS bereits in Spuren analytisch relevant sind. Akkreditierte Labore analysieren die Proben auf ein breites Spektrum an PFAS-Verbindungen, wobei heute routinemäßig mehr als 20 Einzelsubstanzen bestimmt werden können.

Bewertung der Messergebnisse

Die Bewertung der Analyseergebnisse erfolgt anhand der geltenden Schwellenwerte und Geringfügigkeitsschwellenwerte. Dabei wird nicht nur die aktuelle Konzentration bewertet, sondern auch der zeitliche Trend: Steigen die PFAS-Konzentrationen an, sinken sie oder sind sie stabil? Diese Trendanalyse ist entscheidend für die behördliche Einstufung und für die Planung weiterer Maßnahmen. Eine fundierte Risikobewertung berücksichtigt zudem Expositionspfade, also die Frage, ob und wie Menschen oder empfindliche Ökosysteme durch die Kontamination tatsächlich gefährdet werden.

Welche Sanierungsoptionen gibt es bei PFAS-Belastungen im Grundwasser?

Bei nachgewiesenen PFAS-Kontaminationen im Grundwasser stehen verschiedene Sanierungsverfahren zur Verfügung, die je nach Kontaminationsgrad, Geologie und wirtschaftlicher Verhältnismäßigkeit ausgewählt werden. Die wichtigsten Optionen sind Pump-and-Treat-Verfahren, reaktive Barrieren sowie innovative In-situ-Verfahren.

Pump-and-Treat und reaktive Barrieren

Beim klassischen Pump-and-Treat wird kontaminiertes Grundwasser abgepumpt, an der Oberfläche behandelt (häufig mit Aktivkohlefiltern) und anschließend wieder eingeleitet oder entsorgt. Dieses Verfahren ist erprobt und regulatorisch anerkannt, aber bei weiträumigen PFAS-Fahnen oft langwierig und kostenintensiv. Reaktive Permeable Barrieren (RPB) können als passive Alternative eingesetzt werden, um PFAS-Fahnen abzufangen und zu behandeln, ohne dauerhaft Energie für Pumpen aufzuwenden.

Innovative In-situ-Verfahren

Neuere Ansätze zielen darauf ab, PFAS direkt im Untergrund zu behandeln oder zu immobilisieren. Dazu gehören thermische Verfahren wie die In-situ-Verbrennung von PFAS-Quellbereichen sowie elektrochemische Oxidationsverfahren. Diese Technologien befinden sich teils noch in der Entwicklung oder Pilotphase, zeigen aber vielversprechende Ergebnisse. Mehr zu innovativen Ansätzen bietet unsere Übersicht zu In-situ-Sanierungsverfahren. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens setzt immer eine gründliche Standortanalyse voraus, da PFAS-Verbindungen sehr unterschiedliche chemische Eigenschaften aufweisen und sich im Untergrund unterschiedlich verhalten.

So unterstützt RiskCom bei PFAS-Belastungen im Grundwasser

Wir bei RiskCom begleiten Unternehmen, Investoren und Behörden bei allen Fragen rund um PFAS-Kontaminationen im Grundwasser, von der ersten Orientierung bis zur abgeschlossenen Sanierung. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Umweltberatung und Bodensanierung kennen wir die regulatorischen Anforderungen und die technischen Herausforderungen, die PFAS-Belastungen mit sich bringen.

Unser Leistungsangebot im Bereich PFAS umfasst:

  • PFAS-Erstbewertung und Gefährdungsabschätzung: Wir prüfen, ob und in welchem Ausmaß eine PFAS-Kontamination vorliegt und welche regulatorischen Konsequenzen zu erwarten sind.
  • Detailuntersuchung und Schadstofffahnenmodellierung: Wir grenzen Kontaminationsbereiche räumlich ab und erstellen belastbare Grundlagen für behördliche Verfahren.
  • Sanierungskonzepte und Verfahrensauswahl: Wir entwickeln wirtschaftlich verhältnismäßige Sanierungskonzepte und wählen das jeweils geeignete Verfahren aus, von Pump-and-Treat bis zu innovativen In-situ-Methoden.
  • Begleitung im behördlichen Verfahren: Wir unterstützen bei der Kommunikation mit Wasser- und Bodenschutzbehörden und helfen, Auflagen effizient umzusetzen.
  • Umwelt-Due-Diligence bei Immobilientransaktionen: Wir identifizieren PFAS-Risiken frühzeitig, bevor sie zur Haftungsfalle werden.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zu PFAS-Grenzwerten, Untersuchungspflichten oder Sanierungsoptionen haben. Erfahren Sie mehr über unser Team und unsere Expertise oder nehmen Sie direkt Kontakt auf, um gemeinsam die beste Lösung für Ihren Standort zu finden.