Ist PFAS im Leitungswasser?

Klares Glas Leitungswasser auf Labortresen mit fallenden Wassertropfen vom Chrom-Wasserhahn und Teststreifen daneben.

PFAS sind in aller Munde, und das leider nicht nur im übertragenen Sinne. Immer mehr Menschen fragen sich, ob diese Chemikalien auch im Leitungswasser vorkommen und was das für ihre Gesundheit bedeutet. Die kurze Antwort lautet: In einigen Regionen Deutschlands wurden PFAS tatsächlich im Trinkwasser nachgewiesen, auch wenn die Belastung in vielen Gebieten unterhalb der geltenden Grenzwerte liegt. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Thema steckt, welche Risiken bestehen und was man dagegen tun kann.

Was sind PFAS und warum sind sie im Wasser gefährlich?

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe von mehr als 10.000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1950er Jahren industriell eingesetzt werden. Ihr gemeinsames Merkmal ist die extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung, die sie hitzebeständig, wasser- und fettabweisend macht. Genau diese Stabilität macht sie aber auch so problematisch: In der Umwelt bauen sich PFAS kaum ab. Fachleute bezeichnen sie deshalb als „ewige Chemikalien“.

Im Wasser sind PFAS besonders gefährlich, weil sie sich gut lösen, weit transportiert werden und sich im menschlichen Körper anreichern können. Da sie sich nicht einfach ausscheiden lassen, akkumulieren sie über Jahre in Organen und Geweben. Das macht selbst eine geringe, dauerhafte Aufnahme über das Trinkwasser zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsthema.

Wie gelangen PFAS ins Leitungswasser?

Der Weg von PFAS ins Leitungswasser beginnt meist auf landwirtschaftlichen Flächen, Industriegeländen oder ehemaligen Militärstandorten. Zu den häufigsten Eintragsquellen zählen:

  • Löschschaum: Besonders AFFF-Schaum, der jahrzehntelang bei Feuerwehren und auf Flughäfen eingesetzt wurde, enthält hohe Konzentrationen an PFAS und hat Böden und Grundwasser in vielen Regionen kontaminiert.
  • Industrieabwässer: Produktionsanlagen, die PFAS-haltige Materialien verarbeiten, zum Beispiel in der Beschichtungs-, Textil- oder Elektronikindustrie, können PFAS in Gewässer einleiten.
  • Klärschlamm: PFAS aus Haushalten und Industrie gelangen in Kläranlagen, werden dort nicht vollständig entfernt und landen über die Klärschlammausbringung wieder im Boden.
  • Deponien und Altlasten: Alte Industriestandorte und Deponien können jahrzehntelang PFAS ins Grundwasser abgeben.

Von belasteten Böden sickern PFAS ins Grundwasser, das vielerorts als Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung genutzt wird. Konventionelle Aufbereitungsanlagen können PFAS nur begrenzt entfernen, weshalb Belastungen im fertigen Leitungswasser ankommen können. Eine fundierte Risikobewertung von Schadstoffeinträgen ist daher ein wichtiger Schritt, um das Ausmaß solcher Kontaminationen frühzeitig zu erkennen.

Welche PFAS-Grenzwerte gelten für Trinkwasser in Deutschland?

Seit dem 12. Januar 2023 gilt in Deutschland die novellierte Trinkwasserverordnung, die erstmals verbindliche Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser festschreibt. Die Regelung folgt den Vorgaben der EU-Trinkwasserrichtlinie und sieht zwei Grenzwerte vor:

  • Summe aus 20 spezifischen PFAS: maximal 0,10 Mikrogramm pro Liter (µg/L)
  • Summe aller PFAS: maximal 0,50 Mikrogramm pro Liter (µg/L)

Diese Werte gelten als Parameterwerte, deren Überschreitung eine unmittelbare Reaktionspflicht der Wasserversorger auslöst. Im Jahr 2026 stehen Wasserversorger vor der Herausforderung, flächendeckende Analysen durchzuführen und bei Grenzwertüberschreitungen geeignete Maßnahmen einzuleiten. Verbraucher haben das Recht, bei ihrem Wasserversorger Auskunft über die aktuellen Messwerte zu verlangen.

Welche gesundheitlichen Risiken hat PFAS im Trinkwasser?

Die gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS sind Gegenstand intensiver Forschung. Auf Basis bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse werden verschiedene Risiken mit einer erhöhten PFAS-Belastung in Verbindung gebracht:

  • Beeinträchtigung des Immunsystems, insbesondere eine verringerte Impfantwort bei Kindern
  • Störungen des Hormonsystems und des Fettstoffwechsels
  • Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, darunter Nieren- und Hodenkrebs
  • Negative Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion
  • Mögliche Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit und der fötalen Entwicklung

Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere, da sich PFAS auch über die Muttermilch übertragen können und die Entwicklung des Immunsystems beeinflussen. Wichtig ist dabei: Die beschriebenen Risiken beziehen sich auf eine langfristige Exposition, nicht auf einmaligen Konsum. Dennoch sollte eine dauerhaft erhöhte Belastung ernst genommen werden.

Wie kann man PFAS im Leitungswasser nachweisen?

Der Nachweis von PFAS im Trinkwasser erfordert spezialisierte Laboranalysen, da die Konzentrationen im Spurenbereich liegen und empfindliche Messmethoden notwendig sind. Die gängigste Methode ist die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie, kurz HPLC-MS/MS. Diese Technik kann selbst kleinste Mengen einzelner PFAS-Verbindungen zuverlässig identifizieren und quantifizieren.

Für Privatpersonen gibt es inzwischen kommerzielle Wasseranalyse-Sets, mit denen eine Probe des Leitungswassers eingeschickt und in einem akkreditierten Labor untersucht werden kann. Die Kosten variieren je nach Umfang der Analyse. Wer unsicher ist, ob sein Wohngebiet betroffen sein könnte, kann zunächst beim zuständigen Gesundheitsamt oder Wasserversorger nach den aktuellen Messergebnissen fragen, denn diese sind zur regelmäßigen Überwachung und Veröffentlichung der Werte verpflichtet.

Für Unternehmen und Behörden, die Verdachtsflächen oder kontaminierte Standorte untersuchen lassen möchten, empfiehlt sich eine systematische In-situ-Analyse und Bewertung von Schadstoffquellen, um Eintragsquellen zu lokalisieren und den Sanierungsbedarf fachgerecht einzuschätzen.

Was hilft gegen PFAS im Trinkwasser – und was nicht?

Nicht jede Maßnahme, die intuitiv sinnvoll klingt, ist tatsächlich wirksam gegen PFAS. Ein Überblick:

Was wirksam ist

  • Aktivkohlefilter: Hochwertige Aktivkohlefilter, insbesondere solche mit Granulataktivkohle (GAC), können viele PFAS-Verbindungen effektiv aus dem Wasser entfernen. Wichtig ist die regelmäßige Wartung und der rechtzeitige Filterwechsel.
  • Umkehrosmose: Diese Filtertechnik ist besonders leistungsfähig und entfernt PFAS zu einem sehr hohen Anteil. Allerdings ist sie aufwendiger in der Installation und im Betrieb.
  • Nanofiltration: Eine weitere Membrantechnologie, die bei der professionellen Wasseraufbereitung eingesetzt wird und PFAS zuverlässig zurückhält.

Was nicht ausreicht

  • Abkochen: Kochen entfernt keine PFAS, da diese hitzestabil sind. Im Gegenteil kann das Verdampfen von Wasser die Konzentration der Schadstoffe leicht erhöhen.
  • Einfache Karaffen-Filter: Herkömmliche Tischfilter auf Aktivkohlebasis sind für die Entfernung von PFAS in der Regel nicht ausreichend dimensioniert.
  • Destillation: Obwohl Destillation einige Schadstoffe entfernt, sind kurzkettige PFAS flüchtig genug, um auch im Destillat aufzutauchen.

Langfristig ist die wirksamste Lösung nicht die Nachbehandlung im Haushalt, sondern die Beseitigung der Eintragsquellen. Das erfordert die systematische Erkundung belasteter Standorte und die Umsetzung geeigneter Sanierungsmaßnahmen.

Wie RiskCom bei PFAS-Belastungen im Wasser helfen kann

PFAS-Kontaminationen in Boden und Grundwasser sind komplex, und ihre Auswirkungen auf Trinkwasserressourcen lassen sich nur durch eine fundierte, systematische Herangehensweise wirksam bekämpfen. Genau hier setzen wir an. RiskCom GmbH bietet ein umfassendes Leistungspaket für Unternehmen, Behörden, Investoren und Projektentwickler, die mit PFAS-Belastungen konfrontiert sind:

  • Standortuntersuchung und Gefährdungsabschätzung: Wir ermitteln, ob und in welchem Ausmaß PFAS an einem Standort in Boden, Grundwasser oder Trinkwasserressourcen eingetragen wurden.
  • Risikobewertung mit RIMPro©: Unsere eigenentwickelte Software ermöglicht eine präzise Quantifizierung der Risiken und schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen.
  • Sanierungskonzepte: Wir entwickeln maßgeschneiderte Konzepte zur Beseitigung von PFAS-Quellen, von passiven Methoden bis hin zu innovativen In-situ-Verfahren.
  • Compliance und Umwelt-Due-Diligence: Wir unterstützen bei der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen und prüfen Standorte im Rahmen von Transaktionen auf PFAS-Risiken.
  • Internationale Projekterfahrung: Ob in Deutschland oder weltweit, wir begleiten Projekte mit dem gleichen Qualitätsanspruch.

PFAS-Probleme lösen sich nicht von selbst. Wenn Sie einen konkreten Verdacht haben, einen belasteten Standort bewerten lassen möchten oder einfach wissen wollen, welche Risiken für Ihr Unternehmen bestehen, sprechen Sie uns an. Erfahren Sie mehr über unser Team und unsere Expertise oder besuchen Sie direkt die RiskCom-Website, um Kontakt aufzunehmen. Wir helfen Ihnen, Klarheit zu gewinnen und die richtigen Schritte einzuleiten.