Altlastensanierung Verfahren im Vergleich: Worauf es bei der Auswahl ankommt

Handschuhbekleidete Hand untersucht Bodenkernproben in Glasröhren auf einem Metalltisch an einem industriellen Altlastenstandort.

Wer ein Grundstück kauft, ein Industriegelände entwickelt oder eine Fläche mit Nutzungsgeschichte neu bebauen möchte, stößt früher oder später auf das Thema Altlastensanierung. Kontaminierte Böden und belastetes Grundwasser sind keine Seltenheit, besonders auf ehemaligen Industrieflächen, alten Tankstellengrundstücken oder Gewerbeimmobilien mit langer Vorgeschichte. Die gute Nachricht: Es gibt heute eine Reihe erprobter Sanierungsverfahren, die für nahezu jeden Standort eine passende Lösung bieten.

Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Welt der Altlastensanierung. Sie lernen, welche Verfahren existieren, wie sie funktionieren und worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt. Am Ende wissen Sie, wie aus einem Sanierungskonzept eine fundierte Verfahrensentscheidung wird.

Was ist Altlastensanierung und welche Verfahren gibt es?

Altlastensanierung bezeichnet alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Schadstoffbelastungen in Boden und Grundwasser dauerhaft zu beseitigen oder zumindest so weit zu reduzieren, dass keine Gefährdung für Mensch und Umwelt mehr ausgeht. Rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) in Verbindung mit der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV), die Prüfwerte und Sanierungsziele verbindlich festlegt.

Typische Schadstoffe, die eine Sanierung erforderlich machen, sind leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW/LHKW), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Schwermetalle im Boden. Je nach Schadstoff, Standortgeologie und Nutzungskontext kommen unterschiedliche Verfahrensgruppen zum Einsatz.

Die Sanierungsverfahren lassen sich grundsätzlich in drei Kategorien einteilen:

  • Passive Verfahren: Überwachung und natürlicher Abbau ohne aktiven technischen Eingriff
  • Aktive Verfahren: Technische Eingriffe wie Bodenaushub oder Pump-and-Treat
  • In-situ-Verfahren: Behandlung des Schadstoffs direkt im Untergrund, ohne Aushub

Wie funktionieren passive und aktive Sanierungsverfahren?

Passive und aktive Verfahren markieren die zwei klassischen Pole der Altlastensanierung. Sie unterscheiden sich grundlegend darin, wie stark in den Untergrund eingegriffen wird und damit auch in Aufwand, Kosten und Sanierungsdauer.

Passive Verfahren: Abwarten mit System

Passive Verfahren, allen voran die Monitored Natural Attenuation (MNA), setzen auf natürliche Abbauprozesse im Boden. Dabei werden Schadstoffe durch biologische, chemische und physikalische Vorgänge im Untergrund ohne technischen Eingriff abgebaut oder immobilisiert. Dieses Vorgehen ist nur dann zulässig, wenn nachgewiesen werden kann, dass der natürliche Abbau schnell genug erfolgt und keine Ausbreitung der Schadstofffahne im Grundwasser stattfindet.

Ein wichtiger Hinweis: Passive Verfahren sind kein Nicht-Handeln. Sie erfordern ein konsequentes Grundwassermonitoring über lange Zeiträume, um den Sanierungserfolg zu dokumentieren.

Aktive Verfahren: Direkter technischer Eingriff

Aktive Verfahren greifen physisch in den Standort ein. Der klassische Bodenaushub entfernt kontaminierten Boden vollständig, ist aber bei großen Tiefen oder innerstädtischen Lagen oft nicht praktikabel. Das weit verbreitete Pump-and-Treat-Verfahren pumpt belastetes Grundwasser ab, reinigt es oberirdisch und leitet es zurück. Es sichert eine Schadstofffahne im Grundwasser zuverlässig, kann aber bei heterogenen Böden und hohen Restkonzentrationen an Grenzen stoßen. Ein reales Beispiel: An einem LCKW-kontaminierten Standort in Aalen wurde Pump-and-Treat von 1996 bis 2017 betrieben. Die LCKW-Konzentrationen sanken zunächst auf rund 350 bis 400 µg/L, stagnierten dann jedoch trotz laufender Anlage. Das zeigt, dass aktive Verfahren allein nicht immer ausreichen.

In-situ-Sanierung: Chemische, thermische und biologische Ansätze im Überblick

Aufbauend auf den Grenzen klassischer Verfahren haben sich In-situ-Sanierungen als besonders effektive Alternative etabliert. Der entscheidende Vorteil: Der Schadstoff wird dort behandelt, wo er sitzt, nämlich direkt im Untergrund, ohne aufwendigen Aushub und ohne lange Oberflächenbehandlung. In-situ-Sanierungsverfahren lassen sich nach ihrem Wirkmechanismus in drei Hauptgruppen unterteilen.

Chemische In-situ-Sanierung (ISCO)

Bei der In-situ-chemischen Oxidation (ISCO) werden Oxidationsmittel wie Kaliumpermanganat direkt in den Untergrund injiziert, um Schadstoffe chemisch abzubauen. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: An einem innerstädtischen Standort in Aalen wurden 12,5 Tonnen Kaliumpermanganat über fünf Injektionsbohrungen auf einer Fläche von rund 300 m² eingebracht. Dabei kam das hydraulische Injektionsverfahren i-SAV® zum Einsatz, das Sanierungsreagenzien in flache, horizontal orientierte Schichten im Untergrund platziert. Das Ergebnis: eine Beaufschlagung von rund 79 kg KMnO4 pro Kubikmeter Boden und eine erhebliche Reduktion der PCE-Konzentration innerhalb weniger Wochen.

Biologische In-situ-Sanierung

Die biologische In-situ-Sanierung nutzt Mikroorganismen, um Schadstoffe abzubauen. Bei der Sanierung chlorierter Kohlenwasserstoffe ist die reduktive Dechlorierung zentral: Spezialisierte Bakterien, insbesondere Dehalococcoides-Kulturen, bauen PCE und TCE schrittweise bis zum harmlosen Ethen ab. Damit dieser Prozess vollständig funktioniert, werden Auxiliarsubstrate (zum Beispiel Glycerin, Triglyceride oder Sojaöl) als Elektronendonatoren in den Aquifer eingebracht. Sie liefern den Wasserstoff, den die Bakterien für die Dechlorierung benötigen. Ergänzend kann nullwertiges Eisen (ZVI) eingesetzt werden, das zusätzlich als Reduktionsmittel wirkt.

Thermische In-situ-Sanierung

Thermische Verfahren erhitzen den Untergrund, um flüchtige Schadstoffe zu mobilisieren und abzusaugen. Sie sind besonders wirksam bei leichtflüchtigen organischen Verbindungen, erfordern aber einen hohen Energieeinsatz und sind daher vor allem bei stark belasteten Quellbereichen wirtschaftlich sinnvoll.

Welche Faktoren bestimmen die Verfahrensauswahl?

Wer die verschiedenen Verfahren kennt, steht vor der eigentlichen Herausforderung: der richtigen Auswahl für den konkreten Standort. Es gibt kein universell bestes Verfahren. Die Entscheidung hängt von einer Reihe standortspezifischer und wirtschaftlicher Faktoren ab, die systematisch bewertet werden müssen.

Die wichtigsten Entscheidungskriterien im Überblick:

  • Art und Konzentration der Schadstoffe: LCKW, MKW, PAK und Schwermetalle reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Verfahren. Kaliumpermanganat etwa eignet sich hervorragend für PCE, aber nicht für alle Schadstoffklassen.
  • Geologie und Hydrogeologie: Heterogene, schluffig-sandige Böden mit wechselnden Durchlässigkeiten erschweren die Verteilung von Sanierungsreagenzien erheblich. Tonige Schichten sind schwerer zu erreichen als sandige Aquifere.
  • Lage und Nutzung des Standorts: Ein innerstädtisches Grundstück lässt großflächigen Bodenaushub oft nicht zu. Hier sind In-situ-Verfahren häufig die einzige praktikable Option.
  • Tiefe und räumliche Ausdehnung der Kontamination: Je tiefer und weiträumiger die Schadstofffahne im Grundwasser, desto wichtiger wird die Auswahl eines Verfahrens mit ausreichender Reichweite.
  • Sanierungsziel und Zeitrahmen: Soll eine vollständige Dekontamination erreicht werden oder geht es zunächst um eine Sicherung? Kurze Projektzeiträume begünstigen aktive oder chemische Verfahren.
  • Wirtschaftlichkeit: Die Altlastensanierungskosten variieren erheblich. Eine Sanierungsuntersuchung, die verschiedene Verfahren vergleicht und bewertet, ist daher keine optionale Ausgabe, sondern eine notwendige Investition.

Häufige Fehler bei der Auswahl von Altlastensanierungsverfahren

Selbst mit gutem Fachwissen passieren bei der Verfahrensauswahl immer wieder dieselben Fehler. Wer sie kennt, kann sie vermeiden.

Fehler 1: Das Verfahren vor der Untersuchung wählen

Ein häufiges Muster: Ein Verfahren wird aus Kostengründen oder Gewohnheit vorab festgelegt, ohne die Standortsituation vollständig zu kennen. Die Altlastenbewertung und Sanierungsuntersuchung sollte immer vor der Verfahrensentscheidung stehen, nicht danach. Das Aalen-Beispiel zeigt, wie 21 Jahre Pump-and-Treat zu einer Stagnation führten, weil ein Phasenpool im Opalinuston als Schadensherd nicht vollständig erfasst worden war.

Fehler 2: Einen einzelnen Schadensherd übersehen

Kontaminierte Standorte haben oft mehrere Schadensherde, die sich in Lage, Tiefe und Schadstoffkonzentration unterscheiden. Eine Sanierungsuntersuchung muss alle Herde identifizieren. Wird auch nur einer übersehen, kann er als Quelle die gesamte Sanierungsmaßnahme unterlaufen.

Fehler 3: Nachbarstandorte ignorieren

Selbst eine technisch einwandfreie Sanierung kann scheitern, wenn ein benachbarter Standort kontinuierlich neue Schadstoffe in den sanierten Bereich einträgt. Diese Situation ist in der Praxis häufiger als gedacht und muss im Sanierungskonzept berücksichtigt werden.

Fehler 4: Monitoring unterschätzen

Sanierungserfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Ohne ein konsequentes Sanierungsmonitoring, also regelmäßige Grundwasserprobenahme und Auswertung der Messstellen, bleibt unklar, ob die Maßnahme wirkt oder ob Anpassungen nötig sind.

Vom Sanierungskonzept zur optimalen Verfahrensentscheidung

Die Verfahrensauswahl ist das Ergebnis eines strukturierten Prozesses, nicht eine einzelne Entscheidung. Ein belastbares Sanierungskonzept für kontaminierte Standorte durchläuft typischerweise folgende Schritte:

  1. Historische Erkundung: Welche Nutzungen hat der Standort gehabt? Welche Schadstoffe sind wahrscheinlich?
  2. Orientierende und Detailuntersuchung: Bodenproben, Grundwassermessstellen und Schadstoffuntersuchungen liefern das Bild der tatsächlichen Belastungssituation.
  3. Gefährdungsabschätzung: Welche Wirkungspfade sind relevant, zum Beispiel Boden-Grundwasser oder Boden-Mensch? Welche Prüfwerte der BBodSchV werden überschritten?
  4. Sanierungsuntersuchung: Verschiedene Verfahren werden systematisch verglichen, technisch bewertet und wirtschaftlich gegenübergestellt.
  5. Verfahrensentscheidung und Sanierungsplanung: Das wirtschaftlichste Verfahren, das das Sanierungsziel sicher erreicht, wird ausgewählt und geplant.
  6. Durchführung und Monitoring: Die Sanierung wird umgesetzt und ihr Erfolg kontinuierlich überwacht.

Dieser Prozess erfordert interdisziplinäres Fachwissen aus Geologie, Hydrogeologie, Chemie und Umweltrecht. Eine professionelle Altlastenberatung stellt sicher, dass kein Schritt übersprungen und kein Schadensherd übersehen wird.

Wie RiskCom bei der Altlastensanierung unterstützt

Wir bei RiskCom GmbH begleiten kontaminierte Standorte seit über 20 Jahren durch alle Phasen der Altlastensanierung, von der ersten Untersuchung bis zum Nachweis des Sanierungserfolgs. Unser Ansatz ist dabei konsequent wirtschaftlich und technisch fundiert: Wir analysieren die aktuelle Situation am Standort und wählen dann das Verfahren aus, das das Sanierungsziel am effizientesten erreicht.

Was wir konkret leisten:

  • Altlastenuntersuchung und Detailuntersuchung mit Bodenproben, Grundwasserprobenahme und Schadstoffanalytik
  • Gefährdungsabschätzung und Altlastenbewertung auf Basis der BBodSchV-Prüfwerte und standortspezifischer Wirkungspfade
  • Sanierungskonzepte, die passive, aktive und In-situ-Verfahren systematisch vergleichen und bewerten
  • Durchführung innovativer In-situ-Sanierungen, darunter chemische Oxidation (ISCO) mit unserem i-SAV®-Verfahren, biologische Sanierungen mit Auxiliarsubstraten und Bioaugmentation sowie thermische Verfahren
  • Sanierungsmonitoring mit Grundwassermessstellen und Erfolgsnachweisen, die rechtlichen Anforderungen standhalten
  • Environmental Due Diligence für Investoren, Projektentwickler und Unternehmen beim Grundstückskauf oder -verkauf

Ob Industriegelände, ehemalige Tankstelle, Gewerbeimmobilie oder Verdachtsfläche: Wir finden die technisch sinnvollste und wirtschaftlich optimale Lösung für Ihren Standort. Erfahren Sie mehr über uns und unser Team oder nehmen Sie direkt Kontakt auf, um Ihren Standort unverbindlich besprechen zu lassen.

Ähnliche Artikel